Untergang der "Lakonia"

Wie ein Hotelier aus Schluchsee vor 55 Jahren eine Schiffskatastrophe überlebt hat

Florian Kech

Von Florian Kech

Sa, 15. Dezember 2018 um 16:10 Uhr

Südwest

BZ-Plus Er entkam dem brennenden Schiff und trieb acht Stunden im Atlantik: Vor Weihnachten 1963 überlebte Helmut Schweimler den Untergang der "Lakonia". Nicht seine einzige "irrsinnige Geschichte".

Der Tod auf offener See kommt leise. Er beschleunigt die Atmung, bringt das Herz zum Rasen und raubt einem schließlich das Bewusstsein. Das Letzte, woran sich Helmut Schweimler festklammert in jener Nacht zum 23. Dezember 1963, ist eine Luftmatratze. Das Kreuzfahrtschiff, das der 20-jährige Steward drei Tage zuvor bestiegen hat, steht hinter ihm in Flammen. Sein Blick verliert sich in unendlicher Schwärze. Vor ihm ist nichts. Nichts, woraus er Hoffnung schöpfen könnte. Seine einzige Lebensversicherung sind die Matratze, die ihn notdürftig über Wasser hält, und der Kamelhaarmantel, den er vorige Weihnachten von seinem Vater geschenkt bekommen hat. Doch der Mantel saugt sich voll, immer tiefer schleicht die Kälte in seinen Körper. Eisige 14 Grad hat der Atlantische Ozean zu dieser Jahreszeit. Schweimlers Glieder werden taub, auch das Gefühl für Zeit schwindet. Die Stunden im Meer, zwischen acht und neun werden es am Ende gewesen sein, wird er später als "die längste Nacht seines Lebens" bezeichnen.

Mit letzter Kraft in die absolute Dunkelheit
Das Ächzen und Knarzen der "Lakonia" lässt ihn aufschrecken. Wie ein Walfisch im Todeskampf scheint sich der Ozeanriese ein letztes Mal aufbäumen zu wollen. Schweimler ist gewarnt: Nach dem Untergang der Titanic hatten Augenzeugen von einem gewaltigen Sog berichtet, der alles in seinem Umfeld verschlang. Mit letzter Kraft paddelt er fort von dem wankenden Koloss, hinaus in die absolute Dunkelheit. Er kommt in Kontakt mit Körpern, die im Wasser treiben. Die meisten ertrunken oder erschlagen von hinabstürzenden Gegenständen – oder Menschen. Einige greifen nach ihm, zerren an seiner Lebensversicherung. Aber auf der Matratze ist kein Platz für zwei.



Ein Leben voller "irrsinniger Geschichten"
Er habe sich oft gefragt, woran es lag, dass er nie geheiratet hat, sagt Schweimler in einem ruhigen Moment. 55 Jahre nach der "Lakonia"-Katastrophe lehnt er sich zurück in einem Sessel des Hotels Vier Jahreszeiten am Schluchsee. Es duftet nach frischem Holz. In dem neuen Anbau mit dem 180-Grad-Panoramafenster hat man einen grandiosen Blick auf den Schwarzwald. An den Tischen sitzen Pärchen im besten Alter und ...

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