"Wir waren doch Franzosen"

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Sa, 28. Juli 2012

Südwest

André Muller ist einer von 100 000 Elsässern, die im Zweiten Weltkrieg dazu gezwungen wurden, für Deutschland zu kämpfen.

Der General wacht als goldene Büste auf dem Kaminsims. Die Hand des alten Mannes hält sie fest umschlossen. Mit De Gaulle an seiner Seite steht André Muller in einem von Erinnerungen vollgestopften Wohnzimmer. So schwer dem Mann mit seinen 88 Jahren das Hören fällt, so leicht kommt ihm ein russisches Liedchen über die Lippen. "Schwarze Augen", kündigt er es deutsch, mit einem hörbaren R an und singt mit brüchiger Stimme melancholische Töne an. Keine sentimentale Erinnerung an eine Jugendliebe – es ist das Klagelied von 16 Monaten Gefangenschaft in einem russischen Lager, in das er als junger Mann verschleppt worden war.

Muller, geboren 1924 in Mulhouse, war im Zweiten Weltkrieg einer von 100 000 elsässischen Malgré-nous. Als der Mann mit dem Rauschebart noch ein halbes Kind war, überquerten deutsche Truppen bei Breisach den Rhein und rückten ins Elsass ein. Die Anstrengungen des gefürchteten Gauleiters Wagner galten der Germanisierung der elsässischen Bevölkerung und ab dem Sommer 1942 sollten sie auch für das NS-Regime in den Krieg ziehen. Mit dem Erlass vom 25. August vor 70 Jahren zwang die militärische Führung die Jahrgänge der zwischen 1907 und 1927 Geborenen als Soldaten in die deutsche Uniform. Die meisten von ihnen kämpften an der Ostfront für ein Land und eine Ideologie, die nicht die ihre war.

40 000 der Zwangseingezogenen aus dem Elsass und dem besetzten Teil Lothringens fielen, starben in sowjetischen Lagern oder blieben vermisst. Muller selbst gelang am 3. Juli 1944 die Flucht. Er wurde, nachdem er sich den Sowjets in dem Glauben ergeben hatte, er vertraue sich als Franzose alliierten, und ...

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