Stehende Ovationen

Roland Beck

Von Roland Beck

Mi, 15. Mai 2019

Sulzburg

Die Sulzburger Stadtmusik begeisterte ihr Publikum in der altehrwürdigen ehemaligen Klosterkirche.

SULZBURG. In der vollbesetzten Kirche St. Cyriak brannte die Stadtmusik Sulzburg ein musikalisches Feuerwerk ab, das die Zuhörer restlos begeisterte. Über eine Stunde lang spielte die Stadtmusik unter der Leitung von Roland Beck einen Hit nach dem anderen.

Den Auftakt machte das grandiose "Concerto d’amore" von Jacob de Haan, das dem Konzert auch den Namen gab: Konzert der Liebe. Ein sehr abwechslungsreiches Stück, bei dem Jacob de Haan verschiedene Stilrichtungen zu einem monumentalen Klangerlebnis verband. Bei diesem Stück merkte man dem Orchester die Spielfreude an, die vor allem in einer brillanten Dynamik ihren Ausdruck fand. Das staunende Publikum applaudierte begeistert.

Ein Merkmal des Konzerts war der Mut, mehrere Solisten zu präsentieren. Beim nächsten Stück war es der Vorsitzende des Vereins, Bernd Straub, der bei dem Stück "Memory" außergewöhnlich gefühlvoll sein Euphonium zur Geltung brachte. Danach gab es zur Freude der Besucher gleich zwei Experimente mit einem Stück. Zunächst spielte ein Sextett das Air aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach. Die Querflöten von Lisa Hansmann und Jennifer Knoll spielten sehr gefühlvoll diese wunderschöne Melodie, begleitet von einem dreistimmigen Saxophon-Satz und der Tuba. Danach die Überraschung: Das gleiche Stück in einer komplett anderen Version. Rick van der Linden hat sie in den späten 1960er-Jahren für seine Band Ekseption kreiert, und die Stadtmusik interpretierte sie sehr eigenwillig und absolut authentisch. Die Verschmelzung eines klassischen Stücks mit Rock- und Jazzelementen ist vortrefflich gelungen. Und Chapeau: die junge Saxophonistin Sarah Köberlin glänzte mit einem Improvisationssolo, das war schon erste Sahne.

One Moment in Time: der nächste Titel, der nächste Höhepunkt. Dieses Stück war so gut arrangiert, dass man die Stimme von Whitney Houston nicht vermisste. Dann kam die erste Verschnaufpause für das Publikum – so sah es zumindest aus. Halleluja von Leonard Cohen ist ein sehr ruhiges Stück, die Höhepunkte liegen im Ausdruck, und die wurden vom Orchester der Stadtmusik sehr schön dargestellt. Das wiederholte sich auch beim nächsten Stück, Trumpeters Lullaby, das ein sehr virtuoses Trompetensolo enthält. Es wurde herausragend gespielt von Dominic Gerber, der schon viele Jahre bei der Stadtmusik aktiv ist.

Ein großartiges Klangerlebnis

Die Forrest Gump-Suite aus dem gleichnamigen Film wurde derart großartig interpretiert, es gab lang anhaltenden begeisterten Applaus. Dann kam erneut ein Stück von Jacob de Haan: Blues Factory, ein Mix aus Blues, Rock und Swing. Ein großartiges Klangerlebnis, das sehr deutlich zeigte, auf welchem sehr hohen Niveau sich das Orchester der Stadtmusik inzwischen befindet. Es ging atemberaubend in die Schlussphase des Konzerts. Das vorletzte Stück, Song of Joy, war in den 1960er-Jahren ein Welthit von Miguel Rios.

Eine Bearbeitung der Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven, genial arrangiert vom Dirigenten und perfekt gespielt von der Stadtmusik. Den Abschluss des Konzerts bildete die Hippie Hymne Oh happy Day, auch das eine tolle Interpretation, die zum Tanzen reizte. Viele Besucher klatschten mit und wiegten sich im Rhythmus. Und dann erhob sich das Publikum von den Plätzen.

Mit langanhaltenden Standing ovations honorierte das Sulzburger Publikum eine außergewöhnliche Leistung der Stadtmusik Sulzburg mit ihrem Dirigenten Roland Beck. Nach zwei Zugaben verabschiedete sich Roland Beck, der das Programm auch sehr interessant und gekonnt moderiert hatte, von einem sehr zufriedenen Publikum.