Münstereck

Tag der Kundgebungen

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Mo, 03. Mai 2021

Münstereck

Von der politischen Kundgebung bis zur reinen Provokation

Der 1. Mai war verregnet, und trotzdem konnte er seinem Image als dem Tag des politischen Kampfes immer noch ein Stück weit gerecht werden. Auf jeden Fall zeigte er eine große Bandbreite zeitgenössischer Kundgebungsformen. Da war die mustergültige DGB-Demonstration mit Ordnern, Absperrbändern, Abstandsdurchsagen und zweifellos politischen Inhalten. An der linken Fahrraddemo mag mancher kritisieren, dass sich ihre Initiatoren traditionell nicht um ordnungsgemäße Anmeldung und ein Zusammenwirken mit der Polizei scheren und dass einigen Teilnehmern die Erlebnisdichte nicht hoch genug ist, so dass noch ein paar Knallfrösche geworfen werden müssen. Inhaltlich handelte es sich um eine Kundgebung mit astrein politischen Forderungen. Nicht begutachten konnte man die Querdenker auf Klappstühlen, schließlich war ihre Veranstaltung ja gemäß der Corona-Verordnung untersagt worden. Hatte die Stadtverwaltung recht mit ihrer Annahme, wonach die Kritiker der Corona-Maßnahmen es dabei belassen würden, ohne Masken im Park zu sitzen, dann wäre das tatsächlich keine Kundgebung gewesen, sondern eher eine Art provozierendes Happening. Inhaltlich ging der politischen Kultur des diesjährigen 1. Mai durch das Verbot also wahrscheinlich nicht viel verloren.