HR-Dossier

Teamgeist statt Krisenstimmung

Fr, 24. April 2020 um 15:42 Uhr

Führungskräfte müssen sich aktuell als Krisenmanager beweisen. Gerade jetzt ist es wichtig, die Mitarbeiter und ihre Ängste ernst zu nehmen, aber selbst so gut es geht Optimismus auszustrahlen.

Alles, was man nicht kennt, löst Angst aus. Die Coronakrise ist weltweit eine neue und noch nie dagewesene Situation, die natürlich auch die Mitarbeiter beschäftigt. Jeder ist in irgendeiner Weise betroffen: sitzt selbst im Homeoffice, darf seine Eltern nicht in der Pflegeeinrichtung besuchen, muss sich rund um die Uhr um die Kinder kümmern, bangt um seinen Arbeitsplatz, hat durch Kurzarbeit weniger Geld zur Verfügung, vermisst Freunde und Veranstaltungen. Führungskräfte sind jetzt besonders gefordert und müssen dafür sorgen, dass das Team zusammenhält und die Stimmung nicht kippt.

Jeder Mensch ist anders
Was im Arbeitsalltag gilt, ist in der Krise nicht anders. Jeder Mensch hat seine eigene Art, mit Ängsten umzugehen. Der eine verdrängt sie, der andere kapselt sich ab, wieder andere stürzen sich in die Arbeit oder verfallen in eine unkreative Lethargie. Führungskräfte brauchen jetzt viel Empathie und müssen versuchen, jeden dort abzuholen, wo er gerade steht. Für alle gilt: Immer im Gespräch bleiben, Veränderungen sensibel wahrnehmen und selber Mut und Hoffnung verbreiten.

Transparenz
Mitarbeiter haben meistens ein gutes Gespür dafür, wenn sich die Lage verändert und Wolken am Horizont aufziehen. Trotz allem Optimismus sollten Chefs und Teamleiter immer bei der Wahrheit bleiben. Gerade in schwierigen Zeiten ist es unumgänglich, die laufenden Prozesse transparent darzustellen und mögliche Konsequenzen offen zu kommunizieren. Nur wer ehrlich mit seinen Mitarbeitern umgeht, kann authentisch Sicherheit und Vertrauen ausstrahlen.

Wertschätzung
Nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten Führungskräfte die Arbeit ihrer Mitarbeiter wertschätzen. Ein individuell ausgesprochenes Lob, ein Dankeschön an der richtigen Stelle oder die glaubwürdige Anerkennung für die erbrachte Leistung sorgen oft für mehr Motivation als eine in Aussicht gestellte Lohnerhöhung. Den Satz "Schön, dass Sie in meinem Team arbeiten!" oder "Danke, dass Sie auch in schwierigen Zeiten zu uns halten" kostet nichts und bewirkt oft mehr, als man sich vorstellen kann.

Kommunikation in Homeoffice-Zeiten
Durch die Corona-Krise sind viele Mitarbeiter ins Homeoffice gewechselt. Der eine muss seine Kinder beaufsichtigen, der andere gehört zur Risikogruppe oder man arbeitet im Schichtmodell, damit nicht alle gleichzeitig infiziert werden. Vor diesem Hintergrund haben sich viele Teams seit Tagen und Wochen nicht gesehen. Sie sind einzeln untereinander per Telefon oder Mail in Verbindung, aber die Möglichkeit, mal mit allen an einem Tisch zu sitzen, hat man leider nicht. Die Führungskräfte sind hier besonders gefordert und müssen im Blick behalten, dass sich alle Teammitglieder gut versorgt fühlen und auch aus der Ferne ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Wer die Kommunikation untereinander fördern will, der sollte regelmäßige Videokonferenzen abhalten. Wenn die technischen Vorrausetzungen stimmen, können Online-Chats die sonst regelmäßigen Teamsitzungen sinnvoll ersetzen.

Fürsorgepflicht
Führungskräfte haben ihren Mitarbeitern gegenüber eine Fürsorgepflicht. Gerade in schwierigen Zeiten sollte man sich um den Mitarbeiter als Mensch kümmern. Ihn mit seinem familiären Umfeld wahrnehmen und ein offenes Ohr für seine individuellen Bedürfnisse haben. Wer Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen muss, ist doppelt gefordert, wer allein lebt und durch Homeoffice wenig Kontakte hat, kann schnell vereinsamen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Nachfragen ohne neugierig zu sein, Hilfestellung geben ohne aufdringlich zu sein, Sicherheit geben auch wenn die Lage noch unübersichtlich ist.

Schlechte Nachrichten
In schwierigen Zeiten müssen Führungskräfte auch immer wieder schlechte Nachrichten überbringen. Das beginnt meistens damit, dass ein Auftrag platzt oder storniert wird und die Umsätze zurückgehen. Wer von Anfang an mit offenen Karten spielt, verhindert, dass die Mitarbeiter von den Ereignissen überrollt werden und komplett geschockt sind. Für jeden ist dann die nächste Konsequenz klar: Das Unternehmen kommt um die Kurzarbeit nicht herum. Zu diesem Mittel greifen in der aktuellen Corona-Krise so viele Betriebe, dass es schon eher die Ausnahme ist, wenn es noch ausreichend Arbeit für alle gibt. Wer seinen Mitarbeitern frühzeitig erklärt, mit welchen Maßnahmen er gegensteuern will, erntet meistens Verständnis. Wenn dem Team klar ist, dass mit dieser Lösung vorerst auf Kündigungen verzichtet werden kann, schweißt das nochmal mehr zusammen.

Auch Führungskräfte kommen in diesen Tagen an ihre Grenzen. Suchen Sie das Gespräch mit Kollegen und tauschen Sie sich regelmäßig aus. Es tut gut zu wissen, dass andere ähnliche Sorgen und Herausforderungen zu meistern haben.
Machen Sie Ihre Wertschätzung öffentlich und erzählen Sie auch potenziellen Bewerbern, was Ihr Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber zu bieten hat.
Für das Thema Employer Branding hat die Badische Zeitung ein passendes Online-Format entwickelt: DER Arbeitgeber. Schauen Sie mal rein, was hier alles möglich ist. Das JOBMARKT-Team berät sie gerne: 0800 22 24 22 404 oder stellen@badische-zeitung.de