"Es ist schon cool, dass wir diese Teams haben"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Fr, 24. Mai 2019

Tennis

BZ-INTERVIEW mit Ralph Furtwängler, dem Vorsitzenden des TC Ettenheim, über Leistungen, Altersklassen und sportliche Perspektiven.

TENNIS. Seit April 2018 ist Ralph Furtwängler neuer Vorsitzender des Tennisclubs Ettenheim. er folgte in diesem Amt auf Udo Schneider, der 13 Jahre dem Club vorstand. Furtwängler kümmert sich seit vielen Jahren auch um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des TCE. Er arbeitet zudem eng zusammen mit Sportwart Maxim Sosnovski an der sportlichen Entwicklung zusammen. Über diese und vieles mehr hat sich Uwe Schwerer mit dem 52-Jährigen unterhalten.

BZ: Es gibt überall die Tendenz, Spielgemeinschaften zu bilden. Der TCE ist mit einer Ausnahme – jene Mannschaft in der Oberliga der Männer 40, die schon lange mit Spielern des TC Rust antritt – selbstständig. Gab es jemals die Versuchung, sich mit einem anderen Verein zusammenzuschließen?
Furtwängler: Die Versuchung kann es immer mal geben, wenn die Kaderdecke nicht ausreicht. Wir hatten auch vor vielen Jahren einmal ganz kurz bei den Männern eine Spielgemeinschaft mit Rust. Wir sind stolz und froh, dass wir grundsätzlich selbstständig sind, und wir versuchen, dies weiterhin hinzukriegen. Die Herren 40 haben einen Sonderstatus, dabei handelt es sich um eine zusammengewachsene Mannschaft, die auf Freundschaftsbasis entstanden ist. Ansonsten sind wir zum Glück ein größerer Verein, die Tendenz ist erfreulicherweise sogar ein bisschen steigend zur Zeit.
BZ: Wie viele Spieler haben Sie, die im TCE um Punkte spielen?
Furtwängler: Es dürften, zusammen mit der Jugend, schon um die 100 Spieler sein, die in den Mannschaften aktiv sind. Bis auf eine Hobbygruppe spielen eigentlich alle in Mannschaften.

BZ: Es fällt auf, bei den Aktiven findet sich der TCE in der 1. Bezirksliga, bei den Senioren spielen einige Teams deutlich darüber. Wie ist das einzuordnen?

Furtwängler: Das ist die Frage nach der Altersstruktur. Wir sind ein sehr traditioneller, alter Verein, haben deshalb auch einige ältere, gute Tennisspieler. Im Jahr 2021 wird der Verein 50 Jahre alt. Wir waren einer der ersten Vereine in der Gegend. Da bildet sich ab, dass wir viele Leute haben, die in den 70er-Jahren mit dem Tennis angefangen haben, die es noch immer sehr gut können und aktiv in den älteren Seniorenmannschaften spielen. Aber man darf nicht vergessen, dass die Wertigkeit der 1. Bezirksliga bei Männern und Frauen höher zu bewerten ist als eine Regionalliga oder Südwestliga im 60er-Bereich – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen. Es ist aber das Besondere im Tennis, dass man so aktiv und wettkampforientiert mit 60, 70 noch Sport treiben kann. Es ist schon cool, dass wir diese Teams haben.

BZ: Ist eine 1. Bezirksliga, die weite Teile Südbadens abdeckt, die für den TCE gut passende Liga ?

Furtwängler: Auch die 1. Bezirksliga ist durchaus kein Selbstläufer. Man sieht, welchen Aufwand andere Mannschaften veranstalten und dass durch Top-Reserveteams wie der TC Schönberg ein extrem hohes Niveau erreicht wird. Die meisten Teams haben Ausländer im Aufgebot. Wir können es nur leisten, in dieser Liga zu spielen, indem wir uns in einem überschaubaren Rahmen extern verstärken. Momentan haben wir aus unserem Partnerverein in Benfeld die Louis-Brüder dabei, oder es kommt mal ein Tscheche für das eine oder andere Spiel. Bei den Damen gibt es die seit vielen Jahren bei uns spielenden Petra Furtwängler, meine ehemalige Frau, oder Klara Formanova, die aus Prag kommen. Ohne sie würden wir wahrscheinlich eine Klasse tiefer spielen.

BZ: Lohnt sich dieser Aufwand oder wäre der andere Weg auch gangbar, indem der TCE sagt, wir nehmen nur eigene Spieler und schauen, was möglich ist?

Furtwängler: Machbar wäre das schon, doch wenn man diesen Weg einschlägt, besteht die Gefahr, dass der eine oder andere bei uns nicht mehr spielen würde, wie ein Etienne Volkmer, weil diese Spieler den sportlichen Ehrgeiz haben, in der Liga zu spielen, wo sie hingehören. Oder eine Maike Krämer bei den Frauen. Man sieht es auch bei anderen Vereinen in der Region, die auf hohem Niveau gespielt haben und wo nun fast gar nichts mehr geht. Da ist die Gefahr groß, dass man irgendwann fast gar keine Aktiven mehr hat und Vereine komplett verschwinden.

BZ: Das heißt, die Spitzenleistung im regionalen Maßstab ist notwendig, auch um den Verein in seiner Entwicklung zu unterstützen und attraktiv zu halten?

Furtwängler: Ja, das ist meine Meinung. Es kann sein, dass sie nicht jeder teilt. Ich bin im Club einer, der von der ersten Stunde an gesagt hat, wir müssen uns maßvoll verstärken. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir damals angefangen haben, erstmals in Erwägung zu ziehen, einen ausländischen Spieler zu verpflichten. Ich habe immer gesagt, wenn wir es uns irgendwie leisten können und die Unterstützung der Clubmitglieder da ist, dann sollen wir das machen. Im Moment sieht es im Nachwuchs wieder ganz gut aus, in manchen Bereichen boomt es regelrecht. Aber es geht nur, wenn man einen wie Maxim Sosnovski hat, der viel organisiert und sich engagiert. Da werden die Eltern auch mal hellhörig, wenn sie mitbekommen, da geht was. Man ist auch in der Zeitung öfter mal präsent. Wenn man nur in den Kreis- und Bezirksklassen spielt, dann verschwindet man in der Masse der Tabellen.

BZ: Im Moment ist die Situation der beiden aktiven Teams den beiden Bezirksliga durchaus angenehm?

Furtwängler: Dass es bei den Damen so gut läuft, habe ich nicht gedacht. Wobei da noch die eine oder andere Herausforderung kommt. Wir haben nicht das Ziel ausgegeben, dass sie wieder aufsteigen müssen, denn in der Oberliga wird es sehr anspruchsvoll. Bei den Herren ist es bisher ganz ordentlich gelaufen, wobei die ersten Spiele auch auf dem Papier jene waren, in denen wir die Punkte holen mussten, um die Klasse zu erhalten. Da kommen jetzt noch die stärkeren Teams. Wir hoffen, dass es am Ende reicht. Stand jetzt sind wir sehr zufrieden im ganzen Verein. Die Herren 40 sind sensationell Tabellenführer, die waren die Abstiegskandidaten Nummer eins. Aber es ist noch eine Weile zu spielen.