KRITIK IN KÜRZE

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mo, 22. Juli 2019

Theater

Schall & Rauch mit "Jelena" nach Bulgakow

Eine unfassbare, dunkle Katastrophe nähert sich dem Haus der Familie Turbin, umzingelt es und bohrt sich schließlich als wummerndes Dröhnen aus dem Off in die Köpfe seiner Bewohner. Ist es der Krieg? Ein Schneesturm? Oder manifestieren sich da unlösbare Beziehungsdickichte und verquicken so Drinnen und Draußen? Das lässt die aus ihrem historisch-politischen Kontext geschälte Inszenierung der studentischen Theatergruppe Schall & Rauch offen, die jetzt Michail Bulgakows 1926 uraufgeführtes und zweimal verbotenes Drama "Die Tage der Turbins" in einer stark veränderten Fassung unter dem Titel "Jelena" zeigt (Regie: Jan Santner, Christian Feige).
Die Bühne im Keller des Freiburger Rektorats ist als gemütliches Wohnzimmer mit Sofa und großem Esstisch eingerichtet, die beschriebene Tafelwand im Hintergrund erzählt vom Alltag der bunt gemischten Gesellschaft, die hier spielt, trinkt und singt. Einziger Fremdkörper ist Jelenas (Laura Marie Sturtz) herrischer Ehemann (Benedict Michael Procter), der sich bald in

Sicherheit bringt und seine Frau und ihre Brüder ihrem Schicksal überlässt. Und damit das Feld dem charmanten Rosenkavalier Leonid (Daniel Zonsius), der unbeirrbar um Jelena wirbt. Mit Erfolg, doch für Glück ist es zu spät, da hilft auch kein Wodka mehr: Die Nerven liegen blank, das Brennholz ist alle, die Tragödie nimmt ihren Lauf… Ein beeindruckend gespieltes und detailreich inszeniertes Kammerspiel mit Längen.

Letzte Aufführung heute, 20 Uhr, TheaterFistung, Freiburg, Friedrichstr. 39.