Vom Traumschiff zu Star Trek

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Di, 25. Juni 2019

Theater

Serienmelodien beim Filmmusikkonzert des Philharmonischen Orchesters im Freiburger Theater.

Kein Binge-Watching für Serienfans, stattdessen ein Binge-Listening von Titelmelodien neuer und alter Serien boten Johannes Knapp und das Philharmonische Orchester Freiburg im Großen Haus des Theaters. Als Bus-Tour-Guide moderierte Roberto Gionfriddo die fast 30 Titel umfassende Reise. Der imaginäre Bus fuhr aus heimeligen Gefilden (Schwarzwaldklinik, Traumschiff, Tagesschau) über unheimliche Wegstrecken (Tatort, Derrick, Game of Thrones, Fluch der Karibik, James Bond), in andere Zeiten (Mad Men, Downton Abbey) und andere Welten (Star Trek, Avengers), vorbei an den Helden des Kinderfilms (Biene Maja, Harry Potter, Simpsons, Sendung mit der Maus), auch bei den Superhelden gab es einen Stopp (Wonderwoman, Spider Man).

Die Mitreisenden im ausverkauften Bus, äh, Zuschauerraum: ein buntgemischtes Publikum jeglichen Alters, netflixende Serienjunkies, Eltern mit Kindern, elegante Senioren und junge Erwachsene mit Resten von Christopher-Street-Day-Glitter auf der Haut. Und auf der Bühne: das "serienmäßig philharmonisch aufspielende Orchester des Theaters Freiburg" wie Gionfriddo formulierte – ein Großaufgebot in sinfonischer Orchesterbesetzung mit reich instrumentiertem Schlagwerk, erweitert um Saxofone, E-Gitarre, E-Bass, Harfe und Celesta.

Kleiner Hingucker in der letzten Reihe: Einer der Schlagwerker sorgte für visuelle Micro-Highlights, indem er die gespielten Serientitel minimalistisch, aber pointiert in Szene setzte – das Publikum danke mit ausgiebigem Extra-Applaus. Die ausgewogene Klangmischung über alle Register hinweg beeindruckte. Den Tontechnikern des Theaters gelang es, die elektronisch verstärkten Instrumente optimal unter die unverstärkten zu mischen: Der E-Bass war klar hörbar, integrierte sich dennoch unaufdringlich in den sinfonischen Klang. Und Dirigent Knapp schaffte es, jeder Instrumentengruppe ihre großen Auftritte im Gesamtklang zu ermöglichen, ohne dabei den anderen etwas wegzunehmen.

Fluch und Segen zugleich ist die Popularität von Titelmelodien: Jeder glaubt sie zu kennen und vergleicht innerlich permanent mit dem Original. Sich interpretatorisch vom Bekannten zu lösen, kann daher reizvoll sein, aber angesichts der Erwartungshaltung auch leicht schief gehen. Bei der Tatort-Titelmelodie ist Knapp und dem Philharmonischen Orchester jedoch ein echter Clou gelungen: Frisch und dynamisch wirkte sie, dank der schärferen Punktierungen, des leicht angezogenen Tempos und des spannend gemachten Akkordaufbaus.

Ganz viel Applaus von den begeisterten Hörern und fünf Zugaben für die Busreisenden, die am Ende gar nicht aussteigen wollten.