Ziel ist eine gewalt- und angstfreie Arbeitskultur

Herbert Mackert

Von Herbert Mackert (dpa)

Fr, 14. Juni 2019

Theater

Auf der Versammlung des Deutschen Bühnenvereins geht es auch um Strukturen, die Macht- und sexuellen Missbrauch begünstigen.

Der Deutsche Bühnenverein, Interessen- und Arbeitgeberverband von 470 Theatern, Opernhäusern und Orchestern, warnt davor, die Programmgestaltung der Theater ideologisch zu instrumentalisieren. Seit dem Aufstieg der AfD würden Kunstbetriebe zunehmend beschuldigt, politische Positionen der Regierung zu vertreten, sagte Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon vor der am heutigen Freitag beginnenden Jahrestagung des Verbands in Nürnberg. "Dabei ist es doch gerade die Neue Rechte, der ein unkritisches Gesinnungstheater, ein völkisches, nationalistisches Theater als Ideal vorschwebt."

Neben Störaktionen sogenannter identitärer Gruppen werde versucht, über die Kürzung der Budgets Einfluss auf die Arbeit der Bühnen zu nehmen.

250 Intendanten, Kulturpolitiker und Verwaltungsdirektoren kommen zur Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins im Nürnberger Staatstheater zusammen. Der Bühnenverein setze sich für Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen in Leitungspositionen ein, betonte Khuon. Zwar sei ihr Anteil in den Führungsetagen der Theater und Orchester in den vergangenen 30 Jahren von einem auf etwa 22 Prozent gesteigert worden. "Aber das ist zu langsam", sagte der Vereinschef. "Ich befürchte, dass erst eine Quote den nötigen Druck für eine nachhaltige Veränderung erzeugt."

Weitere Schwerpunkte der Tagung sind Macht- und sexueller Missbrauch an Bühnen und in Orchestern. Khuon sagte, in der Theater-, Film- und Fernsehbranche seien Beschäftigte besonderen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Befristete Projekte und von Abhängigkeit und Nähe bestimmte Anbahnungsphasen für ein Engagement seien anfällige Strukturen für missbräuchliches Verhalten. "Wir arbeiten aber an der Verbesserung dieser Strukturen", betonte er. Ziel sei eine gewalt- und angstfreie Arbeitskultur.

Neben einem auf der vergangenen Hauptversammlung beschlossenen Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch sei in der Branche eine unabhängige Vertrauensstelle für Opfer solchen Verhaltens geschaffen worden. Namenspatin ist die griechische Göttin Themis, die in der griechischen Mythologie für Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt stehe.