Theater vor traumhafter Kulisse

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Di, 09. Juli 2019

Bollschweil

Die Laienspielgruppe aus Bollschweil zeigt auf dem Kohlerhof das Stück "Schlimmer als die Polizei erlaubt".

EHRENKIRCHEN/
BOLLSCHWEIL.
Mundartfreilufttheater bei bestem Wetter vor traumhafter Kulisse bot die Laienspielgruppe Bollschweil auf dem Kohlerhof mit ihrer Interpretation der heiteren, oft deutlich unter der Gürtellinie angesiedelten Krimikomödie "Schlimmer als die Polizei erlaubt" von Rüdiger Kramer und traf damit den Humor vieler Zuschauer.

Die Story: Die Polizisten Silvia Friedrich (Silke Riesterer) und Robert Hartnagel (Markus Zahn) werden wegen Frauenproblemen nach Bollschweil auf den Kohlerhof zwangsversetzt und hoffen, in der Ruhe des Reviers auf dem Berg wenig Protokolle schreiben zu müssen, viel Zeit für Kaffee, Gebäck und Fingernägel-Feilen zu haben sowie – im Falle von Hartnagel – dennoch Kontakte zu Frauen unterhalten zu können.

Die Sache mit dem Nicht-Protokoll-Schreiben kommt so ungefähr hin, doch ruhig geht es wahrlich nicht zu auf dem "Revier 16, Außenstelle Kohlerhof". Rentnerin Liselotte Wagner (Veronika Schweizer) versucht wiederholt, eine Anzeige wegen "Hundekacke in meinem Garten" zu machen, und nimmt die Ermittlung des Hundehalters selbst in Angriff. Ganove Paul Lafer (Adrian Tritschler) möchte unbedingt "in den Bau", um dort kostengünstig zu überwintern, und sucht verzweifelt nach einer Straftat, die ihn dorthin bringen könnte, doch weder Beamtenbeleidigung noch sexuelle Belästigung bringen ihn seinem Ziel näher. Anonyme Anrufe mit Beschwerden über eine Jasmin Engel (Melanie Ulmann) aus der Hexentalstraße, die auffallend viele Männer empfange, was bei Polizeimeister Robert Hartnagel gleich ein reges Interesse entfacht, fordern die Polizisten heraus.

Dann kommt auch noch der Polizeirat (Josef Sonner) unangekündigt zu einem Kontrollbesuch und die Geschichte findet ihren Höhepunkt in einer Geiselnahme aller Beteiligten auf dem Polizeirevier durch einen depressiven, da in seinem männlichen Stolz gekränkten, da verlassenen Geiselnehmer (Christoph Sumser), der von Frau Wagner letztlich auch noch als der "Hund-hinscheißen-Lasser" identifiziert wird und von Hartnagel als "der Mann von Claudia", mit der er eine Affäre hatte.

Ein Höhepunkt mit gewissen Längen, echten Pengpuff aus dem Schießeisen, doch letztlich erfordert auch diese Action-Einlage kein Protokoll, der Geiselnehmer wird "einer Therapie (bei der Dame mit den häufigen Männerbesuchen) zugeführt, ganz ohne den Staat zu finanziell belasten" und Robert Hartnagel und Silvia Friedrich kommen wider Erwarten doch ganz gut miteinander aus.

Genussvoll überzeichnete Charaktere, auf die Spitze getriebene Klischees und politische Inkorrektheit, maximal ausgereizte eindeutig zweideutige Anspielungen sexueller Art und das alles in breitestem Alemannisch: Dem Publikum hat’s gefallen.