Die Frau will nur in Ruhe gelassen werden

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 25. Juni 2019

Titisee-Neustadt

Der Angeklagte sieht ein, dass sein Einspruch gegen einen Strafbefehl von 2000 Euro zu einer Verurteilung führen könnte.

TITISEE-NEUSTADT (zwi). Er habe seine Bekannte nicht bedroht, darauf beharrte der 53-Jährige in seiner Verhandlung vor dem Neustädter Amtsgericht. Deshalb hatte er den Strafbefehl über 2000 Euro nicht akzeptiert. Er habe nie gestritten mit der Frau, die ihn beschuldigt hatte, beteuerte der Mann, der im Hochschwarzwald ein Lokal betreibt. Dort habe sie zehn Tage lang für ihn gearbeitet.

Anfang Januar habe sie ihn in einer Handy-Nachricht als "Bastard" bezeichnet und ihm vorgeworfen, er habe die Lüge verbreitet, sie seien zusammen auf einer "Sexparty" gewesen. Als er sie daraufhin angerufen habe, kündigte sie nach seiner Aussage an, sie würde ihn anzeigen. Er denke, sie sei "beleidigt", übersetzte die Dolmetscherin für den Angeklagten. Er und die Frau stammen aus dem selben südeuropäischen Land. Sie sei im Herbst 2018 nach Deutschland gekommen zu einer Freundin und habe Arbeit gesucht, erzählte die 31-Jährige. Zehn Tage habe sie für ihren Landsmann gearbeitet, obwohl sie ihm gleich gesagt habe, sie kenne sich in der Gastronomie nicht aus. Er habe etwas mit ihr anfangen wollen, doch das wollte sie nicht, sie habe ja auch ein kleines Kind. Die Arbeit im Lokal habe sie schnell aufgegeben.

Bei einer Silvesterparty in einer anderen Gaststätte trafen beide wieder aufeinander. Er habe mit anderen "Schlechtes" über sie geredet, etwa, dass sie Drogen nehme, sagte die Zeugin auf Nachfrage von Richter André Gerber. Sie habe zu ihm gesagt, er solle keine Lügen über sie verbreiten, das schade ihr. Dasselbe habe sie ihm am nächsten Tag noch per WhatsApp geschrieben. Danach habe er sie angerufen, beschimpft und gesagt, wenn er sie mit ihrem Kind auf der Straße sehe, werde er sie mit dem Auto "überfahren".

Was für ein Motiv der Angeklagte für eine solche Aussage gehabt haben könnte, wollte der Richter wissen. Er sei "sauer" gewesen, dass sie nicht mehr im Restaurant arbeitete und habe gesagt, sie ruiniere ihn, übersetzte die Dolmetscherin die Antwort der Frau. "Eine Drohung ist ’was anderes als Schimpfwörter", sagte die Zeugin auf Nachfrage des Richters. Dennoch habe sie keinen Strafantrag gestellt, hakte der nach. Sie wolle von dem Angeklagten gar nicht beachtet werden und nur in Frieden leben, antwortete die Frau. Bei der Polizei habe ihre Freundin für sie übersetzt.

Der Richter fragte den vorbestraften Angeklagten, ob er seinen Einspruch gegen den Strafbefehl nicht lieber zurücknehmen wolle. Als diesem dämmerte, dass trotz seiner Unschuldsbeteuerungen eine Verurteilung deutlich wahrscheinlicher wäre als der erhoffte Freispruch oder eine Einstellung des Verfahrens, stimmte er der Rücknahme zu.