Präzision und Geschwindigkeit

Diese beiden Hochschwarzwälder gehören zur Fliesen-Nationalmannschaft

Tanja Bury

Von Tanja Bury

So, 14. April 2019 um 18:02 Uhr

Titisee-Neustadt

Bei ihnen gerät nichts aus den Fugen: Manuel Söhner aus Neustadt und Cedrik Knöpfle aus Löffingen vertreten Deutschland im Fliesenlegen. Jetzt waren sie im Trainingslager.

Deutschland baut auf Manuel Söhner und Cedrik Knöpfle. Die Handwerker aus Titisee-Neustadt und Löffingen gehören zur Fliesennationalmannschaft und könnten in dieser Eigenschaft bei den Welt- und Europameisterschaften an den Start gehen. Um die Titel zu holen, ging es diese Woche ins Trainingslager – denn nichts darf bei den Wettbewerben aus den Fugen geraten.

Gerade ist das Training zu Ende gegangen. Von der großen Dusche im Russland-Design – dem Werkstück – schnell nach Hause unter die Dusche und dann wieder zurück zur Mannschaft. "Wir wollen heute Abend noch gemeinsam was trinken gehen", sagt der 22-jährige Manuel Söhner. Wir, das sind neben dem Fliesenleger aus Titisee-Neustadt und seinem gleichaltrigen Kollegen Cedrik Knöpfle aus Löffingen der 20-jährige Janis Gentner aus Aalen und Julian Kersting (21) aus Warendorf in Nordrhein-Westfalen. Unter der Aufsicht von Ausbildungsmeister und Co-Trainer der Fliesennationalmannschaft, Erik Brie-Knöpfle, haben die Vier die Woche über im Ausbildungszentrum in Donaueschingen an ihrer Technik gefeilt, sich in Schnelligkeit und Präzision geübt.

Titel kann nicht verteidigt werden

All das braucht es, um bei nationalen und internationalen Vergleichen um den Sieg kacheln zu können. Söhner und Knöpfle wissen das, waren beide doch schon bei solchen Wettbewerben dabei – und haben gewonnen. Cedrik Knöpfle war 2016 Deutscher Meister, 2017 als Ersatzmann bei der Weltmeisterschaft und hat vergangenes Jahr als dritter Sieger bei den Europameisterschaften abgeschnitten. Manuel Söhner war 2018 Deutscher Meister. Diesen Erfolgen gehen erste Plätze auf Innungs- und Kammerebene voraus. Dabei wurden sie vom Nationaltrainer Roland Filskorn entdeckt und für das Team geworben.

Nun wartet auf Cedrik Knöpfle die Qualifikation für die Weltmeisterschaft – die Worldskills – im August im russischen Kasan, für Manuel Söhner die Teilnahme an der Europameisterschaft 2020. Er kann nicht an der WM teilnehmen, weil dort nur Starter bis 22 Jahre erlaubt sind – und er wird bald 23. Knöpfle dagegen darf nicht mehr bei der EM antreten, weil er diese schon gewonnen hat. "Man kann seinen Titel nicht verteidigen."

Allerdings werden aus den Teamkollegen bald Konkurrenten, denn nur zwei der vier Nationalfliesenleger dürfen Deutschland bei der WM vertreten: ein Starter, ein Ersatzmann. Im Mai wird im Qualifikationswettkampf die Entscheidung fallen, ob Knöpfle nach Kasan fliegt. "Ersatzmann war ich schon. Jetzt will ich mehr."

Was ihn dann erwartet, weiß er bereits: Es ist die russische Dusche. Zwei Wände mit einer Breite von je 1,50 Meter und einer Höhe von je 1,80 Meter, dazu ein Boden mit 1,50 auf 1,50 Meter, Stufen, Wasserablaufrinne, ein Mäuerchen mit Ablage – und ein wellenförmiges Kachelband in den Farben der russischen Flagge. Bei der diesjährigen WM ist es erstmals so, dass schon zuvor die Aufgabe bekannt ist. Für sie wurde im Trainingslager geübt, sie wird mit 30 Prozent Veränderung Gegenstand der Endausscheidung innerhalb des Nationalmannschaft sein und nochmal um ein Drittel modifiziert bei der WM auf die Teilnehmer warten.

Wettkampf gegen die Zeit

Sie haben an vier Tagen insgesamt 22 Stunden Zeit, um die Herausforderung in Modulen zu meistern – "da heißt es Gas geben und dabei auf Genauigkeit und Sauberkeit achten", wie Knöpfle sagt. Außerdem muss jede Bewegung bedacht sein: Jeder Arbeitsplatz misst nur 5 auf 5 Meter, hier muss das ganze Material und Werkzeug untergebracht sein. Fällt ein Fliesenstapel um und gehen Platten kaputt, ist auch der Traum vom Weltmeistertitel zerbrochen.

Ebenso sieht es aus, wenn die Teilnehmer bei einem Modul mit der Zeit nicht klarkommen. Diesen Punktabzug aufzuholen, ist kaum möglich. Auch bei groben Maßfehlern ist das so. Nahezu identisch sind die Spielregeln bei der Europameisterschaft. Zu kniffliger Aufgabenstellung und Nervosität komme auch, dass man nicht mit seinen "eingeschafften" Werkzeugen arbeiten darf, sondern die des Nationalteams benutzen muss. "Die Zange macht mir noch ein paar Probleme", sagt Manuel Söhner.

Trotz der Konkurrenzsituation herrsche in der Gruppe gute Stimmung: Man habe sich im Training gegenseitig geholfen und ausgetauscht. "Aber klar: Tipps und Kniffe werden nicht unbedingt verraten", sagt Knöpfle schmunzelnd. Das Training sei sehr effektiv, man nehme auf jeden Fall etwas daraus mit. "Nicht nur für die Wettbewerbe, sondern auch für die Arbeit im Betrieb", sagt Söhner. Er arbeitet bei der Firma Stahl in Neustadt, Knöpfle ist Meister im elterlichen Betrieb in Löffingen.

Das Fliesenlegen ist für Söhner und Knöpfle Beruf, die Wettbewerbe in ihrem Handwerk auf nationaler und internationaler sind Leidenschaft. Es ist unverkennbar, wie sehr sie ihnen entgegenfiebern. "Es freut einen, da dabei sein zu können." Und dass der Hochschwarzwald die Hälfte des Nationalteams stellt, das macht sie auch ein bisschen stolz.