Hochschwarzwald

Windkraft-Planungen könnten "völlig umgekrempelt" werden

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Do, 14. November 2019 um 21:16 Uhr

Titisee-Neustadt

Bessere Berechnungen und der Rote Milan könnten Standorte kippen, aber fast 20 potenzielle Plätze tauchen plötzlich neu auf: Bei der Windkraft im Hochschwarzwald heißt es: zurück auf Los.

Die drei umstrittenen Standorte für Windkraftanlagen auf Neustädter Gemarkung sind vielleicht hinfällig. Stattdessen zeichnen sich bis zu 20 neue Plätze im Hochschwarzwald ab, die Voraussetzungen mitbrächten, um aus Wind Strom zu erzeugen. Diese Einschätzung gibt Ulrich Ruppel, der Planer des Planungsverbands Windenergie. Der Verband trifft sich am 20. November zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung. Ruppel und der Vorsitzende Tobias Link sehen sie als richtungsweisend an.
Windkraft-Pläne in Schollach: 247 Meter lassen die besorgten Bürger raunen

Durch den neuen Windatlas werde die Planung "völlig umgekrempelt", sagt Ruppel. Der Diplom-Ingenieur aus Waldkirch hat seit Gründung des Verbands 2011 das aufwendige Verfahren begleitet. Von den Anfängen, als man sich bemühte, der landespolitischen Forderung nachzukommen, dass der Windkraft Raum zu geben sei. Über die vielfältigen Untersuchungen und die Debatten um das Landschaftsbild. Bis hin zum heutigen Stand, dass nach den bisherigen Kriterien alle Standorte ausgeschieden sind – bis auf die auf Neustädter Gemarkung. Mit der Folge immer heftiger werdender Diskussionen und lauter Proteste der Neustädter sowie dem Beschluss des Gemeinderats, aus dem Verband austreten zu wollen, damit sich die Stadt Titisee-Neustadt allein gegen Investoren wehren könnte.

Wie kommt’s
Der neue Windatlas des Landes fußt auf "extrem verbesserten Messungen", wie Ruppel sagt. Unter anderem deshalb, weil erstmals das Relief der Landschaft berücksichtigt sei und auch die Häufigkeit, mit der Wind weht. Fehrn, Glasberg und Wintersberg standen immer in Zweifel wegen ihrer geringen Windergiebigkeit knapp über fünf Meter je Sekunde. Die neuen Untersuchungen hätten bestätigt, dass sie nicht ausreichend windergiebig sind. Fehrn und Wintersberg seien zudem aus naturschutzrechtlichen Gründen außen vor, weil sie als sogenannte Dichtezentren für den Roten Milan gelten.

Nicht zuletzt könnte der Vorstoß des Bundes zur Abstandsregel greifen, kommende Woche soll endgültig darüber beschlossen werden. Demnach sollen künftig zwischen einer Windkraftanlage und Wohnbebauung ab fünf Wohnhäusern (noch geplante Gebäude inbegriffen) 1000 Meter liegen. Die Bundesländer sollen allerdings die Möglichkeit haben, dieses Maß zu unterschreiten.

Neues taucht auf
Weg von Fehrn, Glasberg und Wintersberg: Ruppel zufolge weist der neue Windatlas neue kleine Flächen aus, er überschlägt die Zahl mit "15 bis 20". Schwerpunkte seien westlich gelegene Abschnitte von Titisee-Neustadt, Lenzkirch mit dem Pflumberg, Schluchsee mit dem Ahaberg, wo die Energie Baden-Württemberg (EnBW) auf Gelände von Fürst zu Fürstenberg Pläne hat, sowie Hinterzarten und Breitnau. Eisenbach ist mit Schollachs Sommerberg und dem an Neustadt grenzenden Kolmen im Blick der EnBW, Ruppel sieht hier allerdings naturschutzrechtliche Belange berührt, den Schutz des Auerhahns. Löffingen und Friedenweiler sind nicht berührt.

Hopp oder topp
Die Informationsveranstaltung am 20. November in Löffingen (19 Uhr, Festhalle) werde "eine der wichtigsten Veranstaltungen des Planungsverbands überhaupt" werden, lautet Ruppels Einschätzung, "weil wir eine völlig neue Situation haben". Tobias Link, Löffingens Bürgermeister und Vorsitzender des Planungsverbands, will den Bürgermeistern und Gemeinderäten aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt: Man lässt das Verfahren ruhen, wo es jetzt steht, nämlich bei der bereits erfolgten Offenlage, jedoch ohne beschlossenen rechtskräftigen Flächennutzungsplan Windkraft. Oder die neun Gemeinden (St. Märgen gehört nicht dazu) machen sich gemeinsam im Verband an eine Überplanung, Kosten- und Zeitaufwand inklusive. Dann müsste man Titisee-Neustadt davon überzeugen, dass es entgegen der Absicht doch nicht aus dem Verband aussteigt, sagt Link.

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