Treffpunkt Afrika

Stefan Elsemann

Von Stefan Elsemann

So, 16. Juni 2019

Freiburg

Der Sonntag Mehr als nur Shopping: Afro-Läden bringen eigene Kultur und seltene Waren in die Region.

Afro-Läden sind viel mehr als nur Geschäfte. Sie sind Wohnzimmer, Treffpunkte und Kontaktbörse für Immigranten aus afrikanischen Ländern. Für eingeborene Südbadener sind sie freundliche Schaufenster in den Alltag von zumeist wenig vertrauten Kulturen.

So ist es im Planet Africa Shop bei Marie Agbaglah in Freiburg-Haslach. Freunde, Bekannte und Bekannte von Bekannten schauen hier auf ein Schwätzchen vorbei, um so schnell nicht wieder zu gehen. Und auch die Kundschaft lässt sich Zeit. Ausgiebig wird an der Kasse über Rabatt verhandelt, da hilft auch das Schild mit dem Festpreis nicht viel, es gehört einfach zur Kultur.

Gerade sind ein paar Kisten mit Okra eingetroffen. "Wenn man sie zusammen mit Tomaten kocht, schleimen sie auch nicht", ist der Küchentipp von Marie. Eine Kundin aus Emmendingen bringt eine dicke Yamswurzel zurück, die ihr deutscher Ehemann gekauft hatte. Sie war innen faul, was man nicht sieht. Er hätte sie schon im Laden nach dem Kauf aufschneiden lassen müssen, um hineinzuschauen. Das macht man so, doch er wusste es nicht besser. Wissend lächelt man darüber, und sie bekommt eine neue und nimmt noch ein paar Fische aus der Tiefkühltruhe mit – Barrakudas für eine Suppe. Außer den Gemüsen wie Malanga, Yucca Okra, Maniok und den Kochbananen sind die Afro-Shops auch eine Quelle für preiswerte, hierzulande weniger gängige Fischarten wie Catfisch oder Merluza. Andere Kunden kommen wegen Telefonkarten, die preiswerte Gespräche in die Heimat ermöglichen.

Und viele Kunden wissen, dass sie hier Kosmetik und Haarpflegemittel finden, die es anderswo nicht gibt, so wie Ramatu Ramsay Koroma, die auf der Suche nach einem Shampoo ist. Seit zwei Jahren ist die Krankenschwester glücklich mit ihrer Kurzhaarfrisur, doch jahrelang trug sie wie viele Afrikanerinnen Extensions, mit Kunsthaar oder Echthaar verlängerte Haare, die mühsam in die eigenen Haare eingeflochten waren und doch immer nur ein paar Wochen hielten. Trotz allen Aufwands sind Extensions für Afrikanerinnen der einfachste Weg, längere Haare zu tragen, denn die natürlichen, sehr kräftigen und lockigen Haare verfilzen schnell und brauchen noch mehr Zeit und Aufmerksamkeit bei der Pflege als die Fremdhaarfrisur.

Freiburgs einzigen Salon für afrikanische Frisuren führt Marie-José Zoané, die vor neun Jahren nach Freiburg zog und ihr quirliges Chateau Rouge im Norden von Paris mit Brühl-Beurbarung tauschte, einem Viertel mit eher sedierender Wirkung, in das durch die Bebauung des benachbarten Güterbahnhofs etwas Leben eingezogen ist. Marie-Jo, die von der Elfenbeinküste stammt, hatte schon in Paris einen ähnlichen Laden geführt. Sie hat etwas Pariser Chic in die Beurbarung gebracht und auch in Freiburg ihre Kundschaft gefunden. Es sind nicht nur afrikanischstämmige Kunden, denn Rastas, Cornrows und Haarverlängerungen sind auch bei eingesessenen Südbadenern beliebter geworden. Eine Sitzung bei Marie-Jo kann mehrere Stunden dauern. Ihr Spezialgebiet sind Haarprobleme der Kinder aus multiethnischen Familien. So kommen häufig Mütter zu ihr, die mit den sperrigen Haaren ihrer adoptierten afrikanischen Kinder nicht klarkommen.

Auch ungewöhnliche Produkte finden sich im Sortiment oder bekannte mit ungeahnter Wirkung, wie Rizinusöl, das Hilfe verspricht, um den Haarwuchs anzukurbeln. Eine junge Frau fragt danach. Auch im Asia-Afro-Markt in der Schreiberstraße findet man ähnliche Produkte. Vor einem halben Jahr zog Anis Syed mit seinem Geschäft ein paar Häuser weiter in größere Räume um. Viel Platz hat er dort, vor allem für ein umfangreiches Sortiment an Lebensmitteln. Die meisten davon werden, wie auch in den anderen Afro-Shops, aus Frankreich oder den Niederlanden importiert. Dort sitzen die Großhändler für afrikanische Lebensmittel, vorwiegend Unternehmer aus Indien oder Bangladesch, wie Syeds Frau Leila, gebürtige Eritreerin, zu ihrer eigenen Überraschung feststellte. Auch Anis Syed stammt aus Bangladesch und ist schon lange im Geschäft. Stolz erzählt er, dass er 1988 den ersten Freiburger Afro-Shop eröffnete – in der Innenstadt an der Mehlwaage. Syed möchte in nächster Zeit das Sortiment erweitern um Produkte aus Burundi und Angola, die nicht so sehr verbreitet sind. Und weil ein Internetcafé dazugehört, darf auch am Sonntag geöffnet werden.