"Traum ist wahr geworden"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Di, 15. Oktober 2019

Triathlon

WIEISTESEIGENTLICH zum ersten Mal bei der Ironman-WM auf Hawaii zu starten.

LAHR (uws). Deutsche Triathleten lieferten beeindruckende Leistungen bei der Ironman-WM auf Hawaii ab – nicht nur die Profi-Sieger Anne Haug und Jan Frodeno. Dahinter wuchsen auch Dreikämpfer aus der Region über sich hinaus. Der Offenburger Jörg Scheiderbauer überquerte nach 9:04:25 Stunden als Vierter der Altersklasse 40 bis 44 die Ziellinie in Kailua-Kona auf Big Island (siehe Bericht auf dieser Seite). Der 35-jährige Altdorfer Jochen Lehmann von der LG Geroldseck Lahr übertraf als Debütant mit 9:41:36 Stunden (Platz 70 in der AK 35 bis 39) seine eigenen Erwartungen deutlich. Hier beschreibt Lehmann seinen Wettkampf.

" Am Samstagmorgen war es endlich soweit. Um 4.45 Uhr öffnete die Wechselzone. Wie immer: Rad fertig machen, alles nochmal durchgehen und dann ging’s ab zur Aufstellung für den Altersklassen- Massenstart im Schwimmen.

Um 6.55 Uhr heulte die Sirene auf. Die ersten paar 100 Meter noch ziemlich chaotisch mit dem üblichen Gehaue und Gezupfe, dann kam ich in einen recht guten Rhythmus. Bis zum Wendepunkt. Dort fing es dann wieder von vorne an. Auf dem Rückweg hatte ich leichte Orientierungsschwierigkeiten, aber letztendlich kam ich dann nach 1:11:18 Stunden aus dem Wasser. Blick auf die Uhr: Okay. Für mich akzeptabel. Schnell abduschen, raus aus dem Speedsuit und ab zum Rad.

Nach den ersten Kilometer durch Kona ging es dann die steile Palani Road hoch und links weg auf den Highway Richtung Hawi. Kopf runter und drücken. Nach 60 Kilometern auf und ab hatte ich einen knappen 40er-Schnitt auf dem Tacho stehen. Wow. So kann’s weitergehen, dachte ich mir.

Die plötzliche Leere bei Kilometer 170

Leider hatten wir dann etwas Gegenwind. Auf dem Rückweg Richtung Kona dann wieder Wind von vorne. Bei Kilometer 170 dann auf einmal – leer. Nichts ging mehr. Die letzten zehn Kilometer dann irgendwie durchgedrückt. Aber die Wattzahlen meines Leistungsmessers verrieten nichts Gutes. Endzeit Rad 4:46:40 Stunden.

Als ich vom Rad runterhüpfte, war mir klar, was los war. Mein Rücken. Der Lauf durch die Wechselzone war äußerst mühsam. Da hab ich mir beim Kleiderwechsel etwas mehr Zeit gelassen und mich etwas gedehnt. Raus aus der Wechselzone lief es dann. Auf den ersten zehn Kilometern hatte ich dann noch Zeit, meine Frau kurz in den Arm zu nehmen, bevor es dann einmal mehr auf den Highway ging. Ich freute mich auf das lange, wellige, gerade Stück. Mit Eiswürfeln unter der Kappe und im Shirt, mit einer Wasserflasche bewaffnet, machte ich mich auf den Weg Richtung Energy-Lab. Mit Höhen und Tiefen, Gehen und Laufen, ging es dann ab Kilometer 35 zurück nach Kona. Als ich die Palani Road herunterlief wusste ich, jetzt habe ich es gleich geschafft. Mit einem letzten Blick auf die Uhr – Marathonzeit von 3:33:43 Stunden – konnte ich mir meine Endzeit schonmal ausrechnen. Ab hier dann voller Genuss. Der Zieleinlauf war das Größte.

Mit einer Endzeit von 9:41:36 Stunden waren meine eigenen Erwartungen mehr als übertroffen. Das ganze Event war ein Traum. Die Leute/Helfer und die ganze Organisation hier auf Big Island Hawaii – Wahnsinn. Ein Traum ist wahr geworden. Ich bin unendlich dankbar dafür, hier mit meiner Frau sein zu dürfen. Leider ohne meine Kinder, da sie Schule haben."