Nitrat im Wasser treibt Räte um

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Mi, 10. Juli 2019

Friesenheim

Der Friesenheimer Gemeinderat diskutierte das Ergebnis der Wasseranalyse vor allem mit Blick auf die Nitratbelastung.

FRIESENHEIM. Wasserproben in Friesenheim haben ergeben, dass alle für Trinkwasser geltenden Grenzwerte eingehalten werden. Dennoch kann vor allem mit Blick auf Nitrat von einer deutlichen bis starken Belastung gesprochen werden (die BZ berichtete). Die verschiedenen Gemeinderatsfraktionen und die Verwaltung kamen am Montag zu unterschiedlichen Bewertungen der Lage. Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität könnten im Herbst mit einem Konzept zur Wasserversorgung angegangen werden.

Die Wasseranalyse an zwei Tiefbrunnen und innerhalb des Trinkwassernetzes in den beiden Versorgungsbereichen von Friesenheim geht auf eine Anfrage der GLU-Fraktion vom Mai 2019 zurück. Die Analyse zeigt, dass die für Trinkwasser gültigen Grenzwerte einhalten werden. Sie zeigt aber auch, dass sowohl das Wasser der beiden Tiefbrunnen in Oberschopfheim und Friesenheim als auch das Trinkwasser im Leitungsnetz mit Blick auf den Nitratgehalt nicht als unbelastet angesehen werden kann. Dafür wäre nach Definition des Umweltbundesamts ein Wert von maximal zehn Milligramm pro Liter nötig.

Die Quellen im Wald sprudeln weniger

"Die vorliegenden Zahlen sind keinesfalls Anlass für Friede, Freude, Eierkuchen", sagte GLU-Chef Dietmar Kairies in der Aussprache im Gemeinderat. Er warnte vor einem Anstieg des Nitratgehalts, wenn künftige trockenere Sommer den Quellwasseranteil im Friesenheimer Trinkwasser verringern. Zudem warb er für eine Erweiterung der Wasserschutzgebiete bei den beiden Tiefbrunnen.

Diesem Wunsch schloss sich Fraktionskollege Joseph Hugelmann an. Als Ursache für die dort erhöhten Nitratwerte machte er einen Schuldigen aus: "Das ist das Ergebnis der industriellen Landwirtschaft und des Maisanbaus." Hugelmann schlug vor, die Gemeinde möge die Flächen rund um die Tiefbrunnen kaufen und an Bio-Landwirte verpachten. Julius Haas (CDU) hielt dagegen: "Die Landwirtschaft ist nicht allein Schuld am Nitrateintrag." Er wies auf natürliche Stickstoffquellen hin, die zur Nitrateinwaschung ins Grundwasser führen.

Seitens der Freien Wähler plädierte Peter Zimmermann für eine Beruhigung: "Unser Trinkwasser ist derzeit sehr gut." Allerdings warb auch er dafür, die Entwicklung vor allem mit Blick auf weniger sprudelnde Trinkwasserquellen im Wald genau im Auge zu behalten.

Fred Kletzin (SPD) betonte, wie wichtig es sei, neue Quellen für Friesenheim zu erschließen, um unbelastetes Quellwasser ins Trinkwasser mischen zu können. Er und Fraktionskollege Markus Rottler wiesen auf technische Möglichkeiten der weitergehenden Wasseraufbereitung hin, vor allem um die Nitratbelastung im Griff zu behalten.

Zuhörerin Christel Strauß-Röderer wandte sich an die Verwaltung und wies auf die schädliche Wirkung nitratbelasteten Trinkwassers insbesondere für Säuglinge und Kinder mit Allergien hin. Wasser, das explizit für die Zubereitung von Säuglingsnahrung angeboten wird, muss beim Nitrat unter zehn Milligramm pro Liter bleiben. Bauamtsleiter Markus Reinbold betonte für die Verwaltung nochmals die Einhaltung der Trinkwasser-Grenzwerte. "Für manches Mineralwasser im Getränkemarkt gelten laxere Grenzwerte als für unser Trinkwasser", so Reinbold. Er verwies auf ein Konzept zur langfristigen Wasserversorgung von Friesenheim, an dem derzeit gearbeitet werde. Im Herbst sollen Ergebnisse vorliegen.