Protestschreiben der Bezirkskantoren

Über die Kirchenmusik haben viele noch einen Bezug zum Gottesdienst

Christel Hoping

Von Christel Hoping (Freiburg)

Di, 14. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Das Digitale ist da kein Ersatz", Beitrag von Johannes Adam (Kultur, 9. Juli)
Mit Interesse habe ich den BZ-Bericht von Johannes Adam zum erfolgreichen Protestbrief der Bezirkskantoren der Erzdiözese Freiburg gelesen. Es ist zu hoffen, dass auch eine Lösung für ehrenamtlichen Chorleiterinnen und Chorleiter und Organistinnen und Organisten gefunden wird. Mit einem Foto, das Domchor und Domkapelle mit einem Bläserensemble unter der Leitung von Domkapellmeister Boris Böhmann im Freiburger Münster zeigt, fragt die BZ, ob solche Konzerte in Zukunft eigentlich noch möglich sein werden.

Das wird nicht nur von der Bewältigung der Corona-Krise und der vorsichtigen Wiederaufnahme der Chorproben abhängen, sondern vor allem von der Zukunft der Kirchenmusik angesichts massiver Einbrüche beim Kirchensteueraufkommen. Krisen lassen bereits vorhandene Probleme wie unter einem Brennglas sichtbar werden: Die finanzielle Förderung der Kirchenmusik am Freiburger Münster – die bislang sehr gut war – ist das eine, das andere ist ihre ideelle Wertschätzung durch die Bistumsleitung. Und hier war ja bereits vor der Corona-Epidemie von Anerkennung eher wenig zu spüren.

So suchte man unter den Besuchern der großen Münsterkonzerte die Mitglieder des Domkapitels und die Bischöfe bis auf wenige Ausnahmen vergeblich. Ebenso mangelt es an einer guten Kommunikationskultur. Seit längerem vereinbarte klärende Gespräche mit der Diözesanleitung fanden bis heute nicht statt. Nach neueren Umfragen erwägen 30 Prozent aller Katholiken den Kirchenaustritt. Ist der Diözesanleitung bewusst, dass hinter sehr vielen Chormitgliedern Familien stehen, in denen kirchliches Leben noch präsent ist und der nächsten Generation vorgelebt wird? Vor allem über die Kirchenmusik haben nicht wenige noch einen Zugang zum Gottesdienst.

Kirchenmusik ist nicht nur schmückendes Beiwerk. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt: "Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar [...] Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorge bewahrt und gepflegt werden. Die Sängerchöre sollen nachdrücklich gefördert werden, besonders an den Kathedralkirchen." Christel Hoping, Freiburg