Heiliger Bimbam

Sa, 21. Juni 2008

Freiburg

Hosanna sei Dank: Erstmals seit 1843 können wieder alle Glocken im Freiburger Münster zusammen erklingen / Von Joachim Röderer

Der Papst ist da und hält sich die Ohren zu. Hoch oben im Münsterturm läuten erstmals seit mehr als 150 Jahren alle 18 Glocken gemeinsam. Der hölzerne Glockenstuhl wiegt sich sanft hin und her wie ein Schiff bei leichtem Wellengang. "Es klingt wunderbar", sagt der Mann, der mitten zwischen den Glocken und deren lautem Getöse steht. Er ist – natürlich – nicht der echte Papst. Und er hat sich auch nicht wirklich die Ohren zugehalten, sondern nur den Schall leicht gedämpft: "Dann hört man die technischen Feinheiten besser", erklärt Kurt Kramer, 64 Jahre alt, Erzbischöflicher Glockeninspektor, Vorsitzender des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen.

Es gibt keine Glocke in der riesengroßen Erzdiözese Freiburg und auch keine bedeutende Glocke in Europa, die er nicht aus nächster Nähe gehört und inspiziert hat. Glockenpapst, Glockenflüsterer nennt man Kramer, der jetzt im Münsterturm neben einem seiner Lieblinge steht: der "Hosanna", die ihren 750. Geburtstag feiert. Es ist der Tag der offiziellen Abnahme des umgebauten und aufgestockten Glockenstuhls im Freiburger Münster. Die wuchtigen Glockentöne fahren den anwesenden Touristen und Journalisten so in die Magengrube, dass sie erschreckt stehen bleiben. Kurt Kramer geht ungerührt seiner Arbeit nach. Er trägt dabei niemals Schallschutz, dafür aber einen roten Hut, sein Markenzeichen. Kramers offizielle Berufsbezeichnung lautet Campanologe und als solcher wäre er früher ein idealer Gast für Robert Lembkes Fernsehsendung "Was bin ich?" gewesen.

Der Glockeninspektor aus Karlsruhe hat die neue Anordnung der Münster glocken konzipiert und ist nun gespannt auf das Ergebnis. Er kraxelt ohne ...

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