Wo das Essen wächst

Daniel Gräber

Von Daniel Gräber

Sa, 05. Juli 2008

Panorama

Karl Ludwig Schweisfurth verkaufte sein Fleischimperium Herta und gründete einen Biohof. Nun will er Kindern beibringen, woher die Wurst kommt / Von Daniel Gräber

Metzger sind diese Woche nur die Mädchen. Am Vormittag bringt Sven ihnen ein großes Stück Schweinefleisch mit, es ist noch schlachtwarm. Der Metzger von Herrmannsdorf zeigt den Drittklässlerinnen, was Sehnen sind und wie sie die scharfen Messer halten müssen, dann geht es los. Die Mädchen schneiden das Fleisch von den Knochen und stecken es in den Wolf.

Im "Dorf für Kinder und Tiere" lernen Grundschüler, dass ihr Essen aus der Natur kommt, nicht aus dem Supermarkt. Hier in Herrmannsdorf, 30 Kilometer südlich von München, hat Karl Ludwig Schweisfurth vor zwanzig Jahren ein heruntergekommenes Hofgut gekauft und zum Mekka der ökologischen Lebensmittelerzeugung gemacht. Schweisfurth hat sich eine neue Welt geschaffen, seine alte hieß Herta.

Aus der mittelständischen Wurstfabrik seines Vaters hatte er den größten Fleischproduzenten Europas gemacht. Die Fließbandschlachtung brachte er aus den USA nach Deutschland und die Idee, Wurst in Plastikpackungen zu stecken, zur Selbstbedienung am Kühlregal. Für die Würde des Schweins interessierte er sich damals noch nicht.

"Gestern war ich Metzger. Wir haben Bratwürste gemacht", schreibt Vivi an ihre Eltern, ein rosa Schweinchen ist auf das Briefpapier gedruckt. "Abends haben wir sie gegrillt und gegessen." Die Neunjährige sitzt an einem niedrigen Tisch in der Mitte des Mädchenzelts, einer Mongolen-Jurte. Von oben fällt Licht durch eine runde Öffnung, die Zeltwände ziert ein Blumenmuster. Gegenüber steht das Indianer-Tipi, in dem die Jungs wohnen. Jetzt spielen sie Fußball, vor wogenden Feldern und Alpenpanorama. Für den Nachmittag hat sich hoher Besuch angekündigt: ER will die Kinder durch seine Welt führen.

Die Herrmannsdorfer ...

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