UNTERM STRICH: Fummeliger Zusammenbau

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 10. Oktober 2020

Unterm Strich

Warum ein Schweizer Online-Händler Kampfjets anbietet / Von Martina Philipp.

Viola Amherd darf bald shoppen gehen. Genauer gesagt darf die Schweizer Verteidigungsministerin sechs Milliarden Franken für neue Kampfjets ausgeben. Darüber haben die Schweizer ja neulich abgestimmt und waren ganz knapp dafür. Jetzt hat Amherd nur prompt dieselben Probleme wie unsereins in der Umkleidekabine. Nimmt sie die teuren oder günstigen? Die schicken oder die praktischen? Galaxus, Onlinehändler der Schweiz, möchte da mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Das Online-Kaufhaus hat kurzerhand vier Kampfjet-Modelle ins Sortiment genommen. "Da wir neben Privatkunden auch Lösungen für B2B (BusinessToBundesrat) anbieten", wolle das Unternehmen bei der Auswahl helfen. Für 200 Millionen Franken gibt es in der Kategorie Personenschutz deswegen nun beispielsweise den Eurofighter Typhoon im Angebot. In der Beschreibung heißt es, der Flieger durchdringe die Schallmauer wie ein geölter Blitz. Auf die Kundenfrage, ob es das gute Stück auch in pink gibt, verneint Galaxus bedauernd und verweist auf das "Barbie Reise Traumflugzeug".

Auch wenn der Eurofighter "aktuell nicht lieferbar ist", gibt es bereits viele hilfreiche Bewertungen. Käufer bemängeln, dass der Zusammenbau sehr fummelig sei, der Kaffeebecher nirgends Platz habe und der Flieger ab 2000 Stundenkilometer anfange zu flattern. Einer lobt jedoch das "Top Gun Feeling", ein anderer die gute Bewaffnung. Das französische Modell Rafale wiederum verbrauche zu viel Käse, streike gerne mal, verfüge aber über mediterranes Flair. Am schlechtesten kommt die F/A-18-Super Hornet weg, von deren Vorgängermodell die Schweiz 30 Stück besitzt. Der Scheibenwischer sei nach zwei Monaten abgebrochen, ärgert sich jemand, auch vor verschluckbaren Kleinteilen im Cockpit wird gewarnt.

Ob das Viola Amherd bei ihrer Einkaufstour helfen wird? Nö. Aber wir sollen ja eh nicht alle ständig online shoppen. Auch ein Kampfjet-Laden will schließlich überleben. Erst recht in diesen andauernden Friedenszeiten.