UNTERM STRICH: Neue Schlüpfer zum Probetragen

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 03. April 2021

Unterm Strich

Wie sich die Schweizer Armee um Soldatinnen bemüht / Von Martina Philipp.

Will man Schwung in ein dröge diskutierendes Grüppchen bringen, empfiehlt es sich, das Thema Gleichberechtigung zu setzen. In Nullkommanichts gibt’s einen flotten Austausch. Die Engagierten treffen dabei auf die, für die Gleichberechtigung ein rotes Tuch ist und die deswegen demonstrativ so tun, als ob sie das Thema so spannend finden wie einen ausgeleierten weißen Baumwollschlüpfer. Was aber, wenn es um Gleichberechtigung bei eben diesen Schlüpfern geht?

Die Schweizer Armee hat seit jeher nicht ganz so viele Frauen in ihren Reihen. Genauer gesagt ist es nicht mal ein Prozent. Bundesrätin Viola Amherd will das laut Neuer Zürcher Zeitung ändern und hat einen Haufen Ideen. Sie will Sexismus bekämpfen, Teilzeit-Stellen einrichten, und eine Kinderbetreuung müsse auch her. Da kann kaum einer meckern, aber eine andere Nachricht brachte manch Eidgenossen in Wallung.

Schweizer Soldatinnen sollen Funktionsunterhosen erhalten, die besser passen als das Vormodell (einst mussten sie die gleichen wie die Männer tragen). Zwei Versionen – eine kurze, eine lange – dürfen im April beim Robben und Schießen probegetragen und evaluiert werden.

Oha, da ging’s rund in den Kommentaren auf blick.ch. "Überall wird von den Frauen Gleichberechtigung gefordert, aber im Militär wollen sie herumlaufen wie Barbies", murrte einer. Ein anderer schlug ein Schminkköfferchen im Tarn-Look vor. "Grenadier, Jahrgang 56" fand, dass man und frau sich die Schlüpfer gefälligst selbst kaufen sollten. Doch es gab auch Stimmen, die die Investition in feuchtigkeitsregulierende Funktionswäsche, die womöglich auch noch passt, vehement zu verteidigen versuchten.

Die ursprüngliche Unisex-Slipkollektion (mit Eingriff?!) stammt übrigens aus den 80er Jahren. Da stellt sich die Frage, warum auch die männlichen Soldaten so lange in den ollen Dingern rumlaufen mussten. Die Schweiz ist ein reiches Land – da kann man doch ruhig alle paar Jahre mal neue Slips für alle spendieren.