Gendern

URTEILSPLATZ: Beteiligung ist wichtig

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Do, 16. September 2021

Urteilsplatz

Nicht alle finden diese Diskussion richtig, viele lehnen die komplizierten Buchstaben- und Zeichenkombinationen ab. Politiker wie Friedrich Merz haben dem Gendern gar den Kampf angesagt. Behörden, Unternehmen, Verbände und sonstige Organisationen müssen deshalb damit rechnen, dass sie nicht nur auf Begeisterung stoßen, wenn sie sich entscheiden, gendersensible Sprache einzuführen. Auch unter den Mitarbeitenden gibt es viel Pro und viel Contra. Wichtig ist es deshalb, sie aktiv einzubeziehen und nicht von oben herab etwas zu diktieren. Sie wollen gefragt werden und sehen, dass ihre Vorbehalte ernst genommen werden. Sie wollen das Gefühl bekommen, mitentscheiden zu dürfen. Gendergerechte Sprache einzuführen ist ein Prozess. Akzeptanz geht vor Schnelligkeit. Nicht jeder (und jede) muss alles gleich gut finden. Aber alle müssen genügend Zeit bekommen, sich daran zu gewöhnen. Dass es beim Gendern auch amüsant werden kann, zeigt ein Gespräch zwischen meinem Freund und seinem Arbeitskollegen, die bei einem Automobilzulieferer arbeiten. "Jetzt nimmst du es mit dem Gendern aber sehr genau", sagte der Arbeitskollege, als die beiden sich über ein gemeinsames Projekt austauschten. Mein Freund hatte gerade etwas von einem Befestigungsteil gesagt, das sich an einer Innenseite befindet, also von einem "Halter innen". Sinngemäß machte er zwischen den beiden Worten eine Pause – und der Kollege dachte sofort an "Halter*innen", was die beiden ziemlich schmunzeln ließ.