Elektro-Roller

URTEILSPLATZ: Landplage in der Stadt

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Sa, 18. September 2021

Lahr

Der Begriff Landplage ist nicht mehr so geläufig und bezeichnet kurz umrissen etwas, was gehäuft auftritt und gehörig nervt. Dass so eine Landplage auch in Städten auftreten kann, konnte ich neulich am eigenen Leib in Straßburg erfahren. Es sollte ein entspannter Nachmittag werden, die Wettergötter hatten schönsten Sonnenschein geschickt. Warum also nicht doch noch nach dem Entdecken unbekannterer Winkel den Tag abrunden mit einem Besuch des Viertels La Petite France? Gesagt, getan, bereut. Mit desorientiert umherirrenden Touristen aus aller Welt, die Köpfe über ihren Smartphones gesenkt, hatten wir gerechnet. Nicht aber mit den unglaublichen Massen von Elektrorollern, mit denen eilige Zeitgenossen heutzutage durch die idyllischen Straßen und Gässchen sausen. Sich an einem Souvenirstand nach etwas bücken? Einer malerischen Häuserfassade mit dem Blick bis in den Himmel folgen? Unmöglich! Aus allen Richtungen flitzt es um einen herum oder manchmal auch direkt in die Hacken hinein – immer im Kampf mit den ebenso zahlreich vertretenen Lieferfahrrädern und ohne Angst vor dem weißen Bimmelbähnchen, das nach wie vor seine Runden zieht. Dass das mit dem Rollern auch anders geht, haben ein paar Kinder dann am Sonntag im Lahrer Stadtpark demonstriert: Auf den dortigen Leihvehikeln sind sie zwar auch recht flott unterwegs. Doch im Gegensatz zu den elektrischen Modellen hört man sie rechtzeitig heranquietschen. Und wenn nicht, dann gibt das Kind mit einem fröhlichen "Tütüüt" kund, dass es im Anmarsch ist. So gelingt die gemeinsame Nutzung von Verkehrsraum.