Ein Wehrer war unterwegs

Valentin Meyer ist nach zwei Jahren auf der Walz wieder zuhause

Ernst Brugger

Von Ernst Brugger

Mi, 19. Juni 2019 um 15:00 Uhr

Wehr

Zimmerergeselle Valentin Meyer ist bis nach Skandinavien gekommen. Auf der Wanderschaft ist das Handy tabu.

Nach zwei vollen, traditionellen Wanderjahren "Auf der Walz" kam Zimmerergeselle Valentin Meyer wieder heim nach Wehr. Der Sohn von Stadträtin Martina Meyer war zuletzt mit drei weiteren zünftigen Wandergesellen in Deutschland auf der Wanderschaft. Beim Forsthaus Schmidle am nördlichen Ortseingang warteten zu seinem emotionalen Empfang nicht nur Mutter Martina und Oma Margret Reiniger, sondern auch ein große Schar Freunde und Bekannte.

Valentin Meyer war unter anderem in der Schweiz und in Österreich sowie in Skandinavien auf der Wanderschaft. Dabei hat er auch, der Tradition entsprechend, immer wieder in Zimmereien für einige Zeit gearbeitet, zum Beispiel in Adelboden und Selisberg in der Schweiz. Nach und nach schlossen sich ihm andere Gesellen an. So waren in den letzten Monaten Sebastian aus Bad Tölz, Asmus aus Lübeck und Bobby aus Wuppertal mit ihm auf Wanderschaft. Die Gesellen wollten nach Abschluss ihrer Lehrzeit auf traditionelle Weise vor allen Dingen neue Arbeitspraktiken, fremde Orte und andere Länder kennenlernen sowie Lebenserfahrung sammeln. Handys sind dabei tabu, nur trampen ist erlaubt.

Auf Wanderschaft dürfen die Gesellen nicht mit Geld bezahlen, sondern nur mit ihrer Arbeitskraft. Dabei sind sie oft auf die Bevölkerung angewiesen, wie auf der Suche nach einem Schlafplatz oder Arbeit. Deshalb haben sich Wandergesellen stets zünftig und ehrbar zu benehmen. Sie müssen in der Öffentlichkeit auch immer ihre Zimmererkluft tragen. Während der Wanderschaft verstauen sie ihr übriges Hab und Gut wie Werkzeug, Wäsche und Schlafsack, in einem bedruckten Tuch, einem sogenannten Charlottenburger. Auffallend neben der zünftigen Handwerkerkluft ist auch der Wanderstab, der so genannte Stenz, sowie der schwarze, breitkrempige Hut als Zeichen des freien Mannes. Der wandernde Geselle muss schuldenfrei, unabhängig, ledig und unter 30 Jahre alt sein, um auf die abenteuerliche aber auch faszinierende Walz gehen zu dürfen. Diese wird in jedem Aufenthaltsort mit Stempel im Wanderbuch dokumentiert.

Mindestens zwei Jahre und einen Tag dürfen die Wandergesellen nicht nach Hause. 50 Kilometer vom Wohnort entfernt ist die sogenannte Bannmeile. Diese durfte Valentin Meyer bei Furtwangen auf der Wanderschaft nach Hause erstmals überschreiten. Mit allen zünftigen Attributen und drei Wandergesellen ausgestattet, kehrte Valentin nach zwei Jahren nun wieder heim nach Wehr. Triberg, Furtwangen, Schluchsee und Rothaus waren die Tage zuvor noch Stationen, bevor die Gesellen von Todtmoos über Gersbach wandernd die letzte Nacht auf der Wolfristhütte verbrachten.

Von dort wanderten sie am Wehra-Stausee vorbei zum Forsthaus Schmidle zum Empfang. Am Abend gab es im Hause Meyer eine zünftige Willkommensparty. Valentin musste sich nun von seinen drei zu Freunden gewordenen Wandergesellen trennen, die von Wehr aus weiterzogen. Nach einem verdienten Urlaub will Valentin sein nächstes Ziel anpeilen: die Ausbildung zum Zimmermeister.