Verschwinden die Stornogebühren für immer?

dpa

Von dpa

Sa, 28. November 2020

Reise

Mehr Flexibilität, weniger Risiko: Wie sich die Corona-Pandemie auf das Konzept der Pauschalreisen auswirkt.

Reiseveranstalter machen derzeit ein ungewöhnliches Angebot: Urlaube können noch kurz vor Beginn kostenlos storniert werden. Nur Corona-Sonderregel oder bald normal?

So gilt bei DER Touristik: Vom 1. November bis zum 30. April 2021 können die meisten Reisen bis 14 Tage vor Beginn kostenfrei storniert werden. Man wolle "höchstmögliche Flexibilität und Planungssicherheit", so der Veranstalter.

FTI aus München macht es so: Bei Buchungen bis 31. Januar 2021 ist eine kostenfreie Stornierung mit Geld-zurück-Garantie bis 14 Tage vor Reisestart möglich.

Bei Alltours können Pauschalreisen mit festen Preisen zwischen Anfang April und Ende Oktober 2021 bis 15. März 2021 kostenlos umgebucht oder storniert werden. Winterreisen lassen sich bis zwei Wochen vor Start ohne Gebühr absagen.

Die Tui gibt ihren Kunden zumindest die Möglichkeit, kostenlos bis 14 Tage vor Reiseantritt umbuchen zu können, den Urlaub also gratis zu verschieben. Das gilt für Neubuchungen von Paketreisen bei Tui und der Luxusmarke Airtours bis 31. Dezember 2020. Zudem gibt es eine gebührenfreie Stornomöglichkeit bis 31 Tage vor Abreise bei Buchungen mit Kinderfestpreis, aber nur bis in den Dezember hinein.

Diese neue Großzügigkeit der Veranstalter ist aus der Not geboren, um überhaupt Reisen zu verkaufen. Für Urlauber ist das ein echter Gewinn. Sie kommen nun leichter raus aus einem Vertrag, ohne auf hohen Kosten sitzen zu bleiben. Daran dürften sich viele Reisende schnell gewöhnen. Doch wie geht es nach Corona weiter?

"Aus Urlaubersicht sind die Sorgen übers Geldverlieren, wenn man eine gebuchte Reise nicht antreten kann, tatsächlich groß", weiß der Tourismusexperte Professor Martin Lohmann vom NIT Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa. "Insofern würde die Abschaffung der Stornogebühren eine Barriere aus der Welt schaffen."

Auf der anderen Seite brauchen Veranstalter Planungssicherheit, um Charterflüge füllen, Hotelkontingente einkaufen, Pauschalpakete schnüren zu können. "Die Stornogebühr ist ein Mittel dafür", erklärt Lohmann. "Schafft man sie ab, wird das nötige Geld an anderer Stelle eingefordert werden." Etwa als Risikoaufschlag auf den Gesamtpreis.

"Wenn sich die Bedingungen normalisieren, werden wir zu den normalen Stornobedingungen übergehen", stellt Alltours klar. DER Touristik teilt mit, man werde diese Frage in Abhängigkeit von der Entwicklung des Reise- und Buchungsverhaltens entscheiden. Sprich: Es kommt darauf an, wie sehr der Kunde dies auch künftig wünscht und einfordert.

FTI gibt sich da schon offener: "Es ist denkbar, dass es grundsätzlich flexiblere Tarife und Bedingungen geben wird", heißt es. Bei hoher Auslastung von Flügen und Hotels werde aber auch künftig vor allem bei kurzfristigen Reiseabsagen eine Stornierungsgebühr anfallen.

Für ein abgestuftes System mit verschiedenen Tarifen spricht auch, dass dies bei Buchungen von Hotels im Internet längst normal ist. Auf der Plattform Booking.com etwa bekommen Nutzer in der Regel zwei Preise angezeigt: einen günstigen ohne Stornomöglichkeit und einen teureren mit Gratisstorno zum Beispiel noch einen Tag vor Anreise. Und bei der Ferienhaus-Suchmaschine Hometogo lassen sich die Ergebnisse nach Angeboten mit Gratis-Storno filtern.

Martin Lohmann rät Urlaubern angesichts der Pandemie, eher Reiseangebote zu wählen, von denen Urlauber noch relativ kurzfristig ohne Gebühren zurücktreten können. Wenn dafür kein Aufschlag fällig wird umso besser. Langfristig gilt dem Experten zufolge jedoch der folgende Grundsatz: Flexibilität kostet.