Engagement

In Ebnet wollen viele helfen - aber es gibt wenig Bedarf

Paul Nachtwey

Von Paul Nachtwey

Mi, 08. April 2020

Freiburg

Beide Kirchengemeinden sowie ein Zusammenschluss aus der Ebneter Bürgerschaft bieten an, für Menschen aus Risikogruppen einkaufen zu gehen, um die Gefahr einer Coronavirus-Ansteckung zu verringern. Dass sich bis heute keine Personen unter den Rufnummern gemeldet haben, um Hilfe anzufordern, zeigt aus Sicht vieler Ebneter vor allem eines: Die nachbarschaftliche Hilfe im Ort funktioniert gut.

Die Idee, in Quarantäne-Zeiten ein zentrales Hilfsangebot für Ebneter Senioren zu organisieren, habe nahegelegen, sagt Sonja Hagenberger, die für die katholische Gemeinde im Seniorenwerk arbeitet. "Als wir vor einigen Wochen all unsere Treffen absagen mussten, suchten wir nach Ideen, wie wir die Senioren in der Ortschaft weiter unterstützen können", erinnert sie sich. Mit ihrem Sohn, der sich bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) engagiert, habe sie die Idee einer Hilfsvermittlung entwickelt: "Die jungen Gemeindemitglieder waren sofort dabei", sagt die Ebneterin: "Sie hätten aktuell genug Zeit, um zu helfen." Doch bis Anfang der Woche erhielt Hagenberger trotz Hinweisen im Ebneter Mitteilungsblatt noch keine Bitte um Hilfe. Ähnlich erging es bislang Gabi Dierdorf, die für "Forum Ebnet" im Ortschaftsrat sitzt und ebenfalls eine Hilfsvermittlung initiieren wollte: "Es melden sich bei mir ausschließlich Menschen, die helfen möchten", sagt Dierdorf. Die Senioren seien zu Hause gut betreut, erklärt Hagenberger: "Es sind eher die Angehörigen, die einkaufen gehen. Viele haben auch einen guten nachbarschaftlichen Anschluss." Ortsvorsteherin Beate Schramm (Forum Ebnet) interpretiert die ausbleibenden Anrufe positiv: "Wir merken aktuell einmal mehr, dass Ebnet sehr dörflich organisiert ist", sagt sie: "Die Nachbarn kennen und unterstützen sich."

Der evangelische Pfarrer Jörg Wegner organisiert in diesen Zeiten ebenfalls eine Hilfsvermittlung. Zwei Menschen aus dem Freiburger Osten konnte er bisher eine Einkaufshilfe vermitteln: "Allerdings haben sich diese Menschen, die beide nicht aus Ebnet stammen, nicht selber bei mir gemeldet. Ich wurde von einer Arztpraxis und unserem Besuchsdienst auf den Bedarf aufmerksam gemacht." Seine Einschätzung: "Es fällt den Menschen schwer, um Hilfe zu bitten." Selbst einzukaufen, sofern sie dazu in der Lage sind, bedeute für viele Ältere auch einen Zugang zu Sozialkontakten, den die Menschen nicht aufgeben wollten.

Wer zum Einkaufen sicherheitshalber nicht mehr aus dem Haus gehen möchte, kann seit einigen Wochen auch den Lieferdienst des Ebneter Dorfladens in Anspruch nehmen. "Von 13 bis 14 Uhr können die Menschen bei uns anrufen und ihre Bestellungen aufgeben", sagt Mattis Tessmann, Inhaber des Ladens. Die Bestellungen könnten innerhalb Ebnets geliefert werden, würden oft aber auch in der Mittagsschließzeit, die bis 15.30 Uhr dauert, abgeholt. Tessmann, der Ende 2018 ein Mitgliederkonzept für seinen Laden einführte (Mitglieder erhalten günstigere Preise), spürt eine breite Unterstützung im Ort: "Für viele Menschen ist das Bewusstsein gewachsen, dass es gut ist, einen Dorfladen zu haben. In den vergangenen Wochen hat unser Laden viele neue Mitglieder erhalten. Die Leute kaufen regional bei uns ein, anstatt in den leergekauften Supermarkt zu fahren", sagt der 27-Jährige. Nach anfänglichen Engpässen bei Obst und Gemüse habe sein Laden stets alle Produkte vorrätig, sagt er und ergänzt: "Bis auf Toilettenpapier." Das gebe es nach wie vor nicht.

Falls sich demnächst aus Ebnet für die zentralen Hilfsangebote doch noch Menschen melden, gelten diese natürlich nach wie vor. "Wir würden die Menschen fragen, wo wir für sie einkaufen sollen", sagt Sonja Hagenberger. Mit der KJG habe sie sich folgenden Ablauf überlegt: "Die Senioren würden auf unseren Anruf hin eine Tasche mit Bargeld vor die Tür hängen. Dort würden wir nach dem Einkauf auch die gefüllte Tasche mit dem Restgeld abstellen", sagt Hagenberger: "Alles kontaktlos also."

Ebneter Hilfsangebote: Tel.  0761/66362 (katholisch), Tel.  0761/50361580 (evangelisch), Tel.  0172/7655389 (bürgerschaftlich).