Viele gemeinsam schaffen es

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

So, 26. Mai 2019

Freiburg

Der Sonntag Zu einer Zeit, in der das Thema Genossenschaften aktuell ist wie lange nicht, feiert die Heimbau in Freiburg ihren 100. Geburtstag.

Auch vor 100 Jahren war die Wohnungsnot in Freiburg groß. Am 22. Mai 1919 gründeten der Architekt Curt Balke und der Baurat Wilhelm Sattler die "Gemeinnützige Heimstätten-Baugenossenschaft Freiburg". Heute zählt die Heimbau fast 4 000 Mitglieder und vermietet Wohnungen in Freiburg, Waldkirch und Teningen.

Das genossenschaftliche Motto "Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam" ist heute so aktuell wie vor 100 Jahren. Damals war die Wohnsituation der Arbeiter, die wegen der Industrialisierung in großer Anzahl in die Städte gezogen waren, oft katastrophal. Nach dem verlorenen Weltkrieg war die Situation noch schwieriger, auch Menschen bürgerlicher Schichten konnten es sich kaum leisten, ein Haus zu bauen. In dieser Situation riefen Staat und Kommunen dazu auf, gemeinnützige Baugenossenschaften zu gründen und unterstützten dies durch Steuerbefreiungen und Vergünstigungen.

Vor diesem Hintergrund gründete der Freiburger Architekt Curt Balke gemeinsam mit Baurat Wilhelm Sattler eine Baugenossenschaft für den Mittelstand, die heutige Heimbau, die schon am Gründungstag 100 Mitglieder hatte. Die Genossenschaft wuchs schnell, das erste genossenschaftliche Bauvorhaben war eine Einfamilienhaussiedlung an der heutigen Stefan-Meier-Straße und der Tennenbacher Straße mit 44 Reihenhäusern. Schon 1920 bezog Architekt Balke selbst eines der Häuser. 1926 waren die ersten 100 Wohnungen gebaut, auch in der Bauhöferstraße in Freiburg-Haslach und der Johannisbergstraße in Freiburg-Littenweiler.

Die Inflation in den 1920er Jahren machten der Genossenschaft zu schaffen, doch bald war die Krise überwunden und neue Häuser in der Friedhofstraße, der Dimmlerstraße und der Hansjakobstraße entstanden. 1930 bezog die Heimbau ihren heutigen Standort in der Stefan-Meier-Straße 157. Dort musste eine Kleingartenanlage dem sogenannten Heimbau-Block, der mit seinem weitläufigen Innenhof an eine barocke Schlossanlage erinnert, weichen. Zwischen 1928 und 1930 entstanden 75 komfortable und hochwertig ausgestattete Mietwohnungen für Arbeiter. 1944 wurde das Quartier an der Stefan-Meier-Straße schwer zerstört, bis Mitte der 1950er Jahren wurde ein Großteil des Komplexes wieder aufgebaut. Heute steht das Ensemble unter Denkmalschutz.

Während des Baubooms der 1950er Jahre baute die Heimbau über 200 öffentlich geförderte Sozialwohnungen. Die Modernisierung des Bestands, heute auch die energetische Sanierung, und der Neubau öffentlich geförderter und anderer preiswerter Mietwohnungen forderten die Genossenschaft während der folgenden Jahrzehnte. 2001 baute die Heimbau in der Ortsmitte von Gundelfingen ein großes Wohn- und Geschäftshaus, 2005 fusionierte sie mit der Baugenossenschaft Teningen, 2009 mit der Baugenossenschaft Waldkirch.

Etwa 700 Mitglieder stehen aktuell auf der Warteliste für eine Wohnung. "Die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt spiegelt sich natürlich auch bei uns wider, aber es gibt durchaus Chancen", sagt der geschäftsführende Vorstand Martin Weiner, "im Schnitt haben wir 60 bis 80 Mieterwechsel im Jahr. Als ich Ende der 1990er Jahre zur Heimbau kam, waren es noch etwa 110." Natürlich wird auch neu gebaut, 2018 beispielsweise waren es 30 Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen in Waldkirch-Batzenhäusle. "Unser Schwerpunkt liegt auf der Instandhaltung und Modernisierung – dafür geben wir jährlich 2,5 Millionen Euro aus – sowie auf Neubauvorhaben", so Weinert. 2019 werden Wohnungen in der Kehler Straße und der Zähringerstraße in Freiburg modernisiert, Neubauvorhaben gibt es in Gundelfingen, wo in der Blumenstraße ein viergeschossiges Wohnhaus mit 15 Wohnungen für vorwiegend Gundelfinger Genossenschaftsmitglieder entsteht. In Elzach wird ein Zwölf-Familien-Haus, in Waldkirch ein Sechs-Familien-Haus gebaut. "Wir bauen mit so moderaten Kosten wie möglich und streben eine Kaltmiete unter zehn Euro pro Quadratmeter an", sagt der Genossenschaftsvorstand.