Viele kamen zur langen Museumsnacht

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Mo, 14. Oktober 2019

Offenburg

Ritterhaus hatte am Freitagabend seine Tore geöffnet / Führungen im Stundentakt / Museumsleiter nimmt allmählich Abschied.

OFFENBURG. Roter Teppich, lila-grüne Beleuchtung, offene Türen: So präsentierte sich das Ritterhaus-Museum am Freitag zur langen Museumsnacht – in Strahlelaune: Von 20 bis 24 Uhr war bei freiem Eintritt geöffnet. Das Museum hat nach dem Gewinn des Lotto-Museumspreises auch allen Grund zum Feiern der neu eingerichteten Museumsschau, welche die Stadtgeschichte seit dem Jahr 800 einschließlich der Trophäensammlungen von wilden Tieren aus der Kolonialzeit in höchst anschaulicher, zugänglicher Weise vermittelt und dem Museumsbesucher auch Möglichkeiten zum Selbstaktivwerden gibt.

Museumsleiter Wolfgang Gall bot im Stundentakt Führungen zum Highlight des Museums, der Waldseemüllerkarte von 1507, auch "Taufschein Amerikas" genannt. Sie wurden sehr gut angenommen, der Ausstellungsraum konnte mitunter gar nicht alle Interessierten fassen. In Kooperation mit dem Team vom "Freigeist" wurde der Innenhof zur "Silent Disco", bei der alle Kopfhörer trugen, so dass die Nachbarschaft sich nicht über Lärmemissionen beschweren konnte, und auch in der Ausstellung sah man Tanzende mit schnurlosen Kopfhörern. Noch mehr gute Laune. Die Führung von Wolfgang Gall in zeitgemäßer Sprache – das "Bastelset" wird dabei zum "Medienpaket" – enthielt interessante Informationen: Die Globussegment-Karte von Martin Waldseemüller, die bei der Restaurierung eines Aristoteles-Bandes aus der ehemaligen Franziskaner-Bibliothek, in diesen Band eingenäht, gefunden wurde, wird nun aus konservatorischen Gründen bis Mai wieder im Depot gelagert. Insgesamt gibt es bekanntermaßen weltweit nur noch vier echte Exemplare, zwei weitere erwiesen sich als viel spätere Kopien.

Da im 16. Jahrhundert Kopien niemals hundertprozentig genau waren, kamen nach der Versteigerung eines Exemplars durch das Auktionshaus Sotheby’s durch eine Expertise Zweifel an der Echtheit des Objekts auf. Von zwei weiteren Exemplaren in München, in der Staatsbibliothek und der Universitätsbibliothek, musste in der Folge jenes aus der Staatsbibliothek ebenfalls als unechte Kopie identifiziert werden. In der verwendeten Druckerfarbe dieser Karte wurden Anteile aus den 1960er Jahren gefunden, so führte Gall aus. Die elektronische Version der Globussegmentkarte, auf der zum ersten Mal der Name Amerigo, nach dem Entdecker Amerigo Vespucci, für den fernen Kontinent über den Ozean hinweg verwendet wurde, bleibt jedoch, und auf diesem Weg lässt sich auch im Modell die Karte zum Globus zusammenfügen.

Damals, 1507, gab es ein Bastelset, eine drei Quadratmeter große Weltkarte, deren einziges von tausend Stück übriggebliebene Exemplar seit 2007 in der Washingtoner Library of Congress verwahrt wird, die Globussegment-Karte und ein kleiner Holzglobus, ebenfalls ausgestellt. Auf die Frage, ob schon ein Plan für die Verwendung des Lotto-Preisgeldes in Höhe von 20 000 Euro bestehe, sagte Gall, der im April in Altersteilzeit geht, dass nun zuerst die Übergabe stattfinde und dann die Überlegungen in Richtung gezielte Maßnahmen gehen. Auch der designierte Nachfolger in der Museums- und Stadtarchivleitung, Wolfgang Reinbold, war zugegen, er wird ab Januar in den laufenden Betrieb einsteigen.