Vier Hände – ein Sinn

Alfred Rogoll

Von Alfred Rogoll

Fr, 14. Juni 2019

Klassik

Die DVD/CD/Blu-ray Box "Treasures" dokumentiert Güher und Süher Pekinels Klavierspielkunst.

Sie gehörten mit zu den ersten, die mit der Gattung Klavierduo die Konzertsäle der Welt füllten: Entsprechend weit greift die Zusammenstellung von Einspielungen Güher und Süher Pekinels. In einer umfangreichen Box mit dem Titel "Treasures" (Schätze, Kostbarkeiten) präsentieren sich sieben CDs, vier DVDs und noch zwei Blu-rays plus ein kleines Hardcover-Buch. Diese Kollektion beinhaltet die wesentlichen Aufnahmen der in Istanbul geborenen Zwillinge. Erfreulicherweise sogar labelübergreifend: Von den Anfängen bei der Deutschen Grammophon über CBS, Warner Classics, Chandos, Teldec, Arthaus Musik bis Unitel reicht das Spektrum. Musikalisch spannt sich ein Bogen von Bach bis Rachmaninow und Lutoslawski, und auch ein Auftritt mit dem Jacques Loussier Trio 2001 in Schwetzingen ist als DVD enthalten.

Schon am Anfang ihrer Karriere war präzises Spiel ein Markenzeichen der Pianistinnen. Bei ihrer Darstellung von Strawinskys "Sacre du Printemps" etwa verzichteten sie auf Momente in voluminös theatralischer Orchesterart zu Gunsten eines grazilen pianistischen Klangfarbengeflechts. Wie überhaupt dezent-spielerische Nuancen vor tiefgreifender interpretatorischer Betonung bei den Schwestern kennzeichnend bleiben. Das lässt bei Maurice Ravels "La Valse"-Transkription für zwei Klaviere vielleicht manchen Hörer etwas den "Zugriff" vermissen, bleibt aber in immer wieder auch spürbarer motorischer Energie fast exemplarisch transparent. Und um die Bandbreite der eineiigen Zwillinge anhand desselben Komponisten aufzuzeigen: Ravels "Rhapsodie espagnole" interpretieren die Pekinels nach zögerlich-zurückhaltendem Anfang im ersten Satz "Prélude à la nuit" durchaus "orchestral" – in brillanter rhythmischer Abstimmung: vier Hände – ein Sinn.

Bei den von den Pekinels gepflegten Bach-Aufführungen mit mehreren Tasteninstrumenten hält sich manifest ein ambivalenter Eindruck: Trotz der Präsenz eines Jacques Loussier und seiner Arrangements galten sie in Jazz-Kreisen oft nicht als Jazz; umgekehrt wurden und werden sie von einem eher typischen Klassikpublikum nicht als Klassik empfunden. Dennoch gehört es zu einer Gesamtschau, derlei undogmatische Präferenzen auch zu dokumentieren – unvoreingenommene Musikfreunde werden es danken.

Bleibt zur "Treasures"-Box formal noch anzumerken, dass Blu-ray 1 genau den gleichen Inhalt hat wie DVD 1. Und Blu-ray 2 entspricht DVD 2, ohne jegliche Erweiterung des gebotenen Programmes.

Güher & Süher Pekinel, "Treasures" (Arthaus Musik).