Sportlicher Austausch

Vier junge Tischtennisspieler aus Peru haben beim TTV Auggen trainiert

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

Di, 10. August 2021 um 19:03 Uhr

Auggen

Vier Kinder- und Jugendspieler aus Peru haben im Rahmen des Tischtennis-Austauschprojekts TT-Scouting beim TTV Auggen trainiert. Das Projekt soll benachteiligten Talenten eine Perspektive bieten.

Vier junge Tischtennisspieler aus Peru haben am Austauschprogramm TT-Scouting teilgenommen. Gegründet hat das Projekt Marc Wannagat, der für die zweite Mannschaft beim Tischtennisverein (TTV) Auggen spielt. Das Projekt soll benachteiligten Talenten eine Perspektive bieten.

Als der Flieger vergangenen Donnerstag in Peru gelandet ist, lag ihr letzter Ballwechsel schon einen Tag zurück. Davor hieß es gut drei Wochen lang Tempo, Action, Konzentration und Reaktion: eine Platte, zwei Schläger, ein Ball – und einfach hin- und herspielen. Diego Diaz (9), Juan Carlos Moreno (14) und die Brüder Jeremy (11) und Santos (18) Gilvonio aus Huancayo spielen Tischtennis. Für ihren Sport sind die vier Jugendspieler aus Peru um die halbe Welt gereist – Schweiz, Deutschland, Tschechien. Ermöglicht hat den Eurotrip das Förderprogramm TT-Scouting.

Die Jugendlichen wollen sich für den Nationalkader qualifizieren

Nach der ersten Trainingswoche beim Schweizer TTC Neuhausen, wo Auggens Spitzenspieler Pavel Rehorek Trainer ist, waren die vier Sportler auch eine Woche zum gemeinsamen Training mit Jugendspielern beim TTV Auggen in der Sonnberghalle. Das Training lief auf Deutsch und "mit Händen und Füßen", wie Projektleiter Marc Wannagat sagt: "Punkte zählen auf Deutsch geht."

Beim Austauschprojekt war ein Ziel der vier Jugendlichen, sich auf Qualifikationsspiele ihres Nationalkaders vorzubereiten. In Peru ist Tischtennis Wannagat zufolge ohne Liga nicht wie hier organisiert. Es gibt auch keine staatliche Unterstützung, sagt er. Mit TT-Scouting will Wannagat Talente in Peru fördern. Anlass gab die Bekanntschaft mit Ivan Sativanez, dem Trainer der vier aktuellen Austausch-Sportler, der vor sechs Jahren selbst bei einem Austausch in Auggen spielte.

Wannagat hat den damals 19-Jährigen in Peru kennengelernt. Sativanez wollte für drei Monate nach Deutschland kommen, um Tischtennis zu spielen. Daraus wurden vier Jahre: "In dieser Zeit hat Ivan deutsch gelernt, die Schule beendet, Ausbildung gemacht und seine Freundin Katerina kennengelernt", erinnert sich Wannagat. Nach seiner Rückkehr habe Sativanez im Elternhaus eine Tischtennishalle aufgebaut, in der der heute 25-Jährige hauptberuflich 64 Spieler trainiert.

Auch der menschliche Aspekt ist beim Förderaustausch wichtig

Beim diesjährigen Austausch standen für die vier Sportler jeden Morgen 30 Minuten Laufen und nachmittags zwei Trainingseinheiten Tischtennis auf dem Trainingsplan. "Die Jugendlichen waren bis zuletzt sehr diszipliniert", sagt Wannagat rückblickend. Anfangs wurde vor allem Beinarbeit und Kondition trainiert, später zunehmend Technik. Das Förderprojekt soll den Jugendlichen auch Erfahrungen außerhalb der Sporthalle ermöglichen, so der 38-Jährige weiter. So aßen die Sportler aus Auggen und aus Peru nach jedem Trainingstag gemeinsam zu Abend, spielten zum Spaß Fußball oder Basketball, grillten zusammen und unternahmen Ausflüge – etwa zu den Rheinfällen oder in den Basler Zoo. "Der menschliche Aspekt ist bei dem Austausch wichtig", erklärt Wannagat.

Den Abschluss des Förderprojekts bildete die Teilnahme am internationalen Jugendturnier "Czech Open" im tschechischen Olmütz. "Das Turnier war in allen Jahrgängen auf hohem Niveau", so der Projektleiter danach. Die Sportler aus Peru hätten sich als einzige Teilnehmer aus Südamerika gut geschlagen: Diego Diaz kam in der Gruppe U11 ins Viertelfinale, Jeremy Gilvonio gewann im Doppel der Gruppe U13 Bronze, ebenso wie Juan Carlos Moreno in der Gruppe U15.

Vor der Abreise zurück nach Peru haben die vier Sportler den Austausch bewertet. Das Feedback war laut Wannagat durchweg positiv. Ihnen hätten das abwechslungsreiche Trainingsprogramm und die Freizeitaktivitäten gut gefallen, nur das deutsche Essen habe nicht immer geschmeckt. Dennoch wollen sie noch einmal an einem Austausch teilnehmen. Und auch Jugendspieler aus Auggen haben Interesse an einem Gegenbesuch bei den neuen Freunden in Peru bekundet.
Alle Infos rund um das Förderprojekt TT-Scouting gibt es auf der Internetseite http://www.tt-scouting.com