Vom sicheren Bergwandern im "Zweitälerland"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 19. Juni 2019

Gutach im Breisgau

Viele Touren sind wunderschön, manche auch anstrengend und bergen Risiken / Bergwacht -Vorsitzender Jürgen Holzer gibt Tipps für sicheres Wandervergnügen.

ELZTAL/SIMONSWALD (BZ). Noch sind Pfingstferien und die Großen Ferien nicht mehr weit. Die Wochenenden und lange Sommerabende locken ebenfalls zum Wandern. "Mit bis zu 1000 Höhenmeter Unterschied zwischen Berg und Tal ist das ’Zweitälerland’ immer eine Herausforderung – für Wanderer und für uns im Einsatzfall", sagt Jürgen Holzer, Vorsitzender der Bergwacht Waldkirch. Das Elz- und Simonswäldertal, das "Zweitälerland", lockt Outdoor-Fans mit seinem 800 Kilometer langen Wegenetz. Dabei tun aber alle gut daran, schon um ihrer Sicherheit willen Einiges zu beachten.

Vom felsigen Steilgebiet über Wiesen und Wälder bis hin zu den Weinbergen und Obstplantagen zur Rheinebene hin kommen hier Sportler wie auch Familien und Genusswanderer voll auf ihre Kosten. Auf insgesamt 106 Kilometern führt etwa der Zweitälersteig in fünf Tagestouren durch alle Vegetationszonen des Schwarzwaldes. Jede Tagesetappe hat ihren eigenen Charakter und besonders die ersten drei Etappen haben es aufgrund der großen Höhenunterschiede in sich. Sie sind körperlich sehr anstrengend und bergen – etwa an den Zweribach-Wasserfällen oder am Punkt Spitzer Stein, einige Gefahrenstellen.

Als Bergretter kennt Jürgen Holzer das "Zweitälerland" wie seine Westentasche und weiß, was es hier beim Wandern und in Notsituationen zu beachten gilt. Holzer selbst entdeckte seine Leidenschaft zum Bergsteigen und damit auch zur Bergwacht mit 16 Jahren. "Ich wollte wissen, wie man sich in einer Notlage am Berg verhält oder auch anderen in Bergnot Hilfe leisten kann. Es gilt da die Zeit zu überbrücken, bis die organisierte Rettung vor Ort ist", erinnert sich der Bergretter.

Heute ist er Vorsitzender des Vereins und unterstützt das Engagement der insgesamt 70 Ehrenamtlichen. Für ihn ist es ein Privileg in einer so schönen Urlaubsregion leben und arbeiten zu dürfen. "Da möchte ich etwas zurückgeben, quasi als Dank an meine Heimat, dass ich hier im Zweitälerland meinen Lebensmittelpunkt haben darf", erklärt er. Mit seinen Tipps rund um das sichere Wandervergnügen sind Urlauber im "Zweitälerland" für jede Tour gerüstet.

Bergretter-Tipp 1: Vorbereitung ist das A&O: Das Wichtigste ist eine gute Tourenvorbereitung und Tourenplanung: "Zum Einen sollte bereits bei der Auswahl der Tour auf das unterschiedliche Leistungsniveau sowie die Bedürfnisse der Gruppe geachtet werden. Dabei spielen persönliches Können, Erfahrung und Kondition der Einzelnen eine Rolle", erklärt Jürgen Holzer. Zum anderen sollten Wanderer immer den Wetterbericht vor dem Start im Auge behalten. Auch gute Kenntnisse in Orientierung mit aktuellem Kartenmaterial oder im Umgang mit GPS-Geräten können im Ernstfall hilfreich sein.

Bergretter-Tipp 2: Gut gerüstet: "Die richtige Wander-Ausrüstung, das heißt, an das Wetter angepasste Kleidung und gutes Schuhwerk, ist besonders wichtig", empfiehlt der Bergretter. Neben ausreichend Sonnenschutz, genügend Getränken und Verpflegung dürfen auch das aufgeladene Handy und ein Erste-Hilfe-Set sowie eine Rettungsdecke im Wanderrucksack nicht fehlen. "Es sollten allerdings nur die Sachen mitgenommen werden, die tatsächlich benötigt werden. Denn auch ein zu schwerer Rucksack kann ein Sicherheitsrisiko werden", erklärt Jürgen Holzer.

Bergretter-Tipp 3: Gute Zeitplanung.
"Vor dem Aufbruch ist es sinnvoll, Angehörige, Mitwanderer oder Zimmervermieter über den geplanten Tourenverlauf zu informieren", so Holzer. Um unnötige Suchaktionen zu vermeiden, sollten Wanderer die betreffenden Personen früh genug über eine Planänderung in Kenntnis setzen. Wichtig ist, rechtzeitig loszugehen und regelmäßige Pausen sowie Reservezeit einzuplanen, um nicht bei Dunkelheit zu wandern.

Bergretter-Tipp 4: Sicherheit geht vor.
Um die Gefahren für sich und andere auf ein Minimum zu reduzieren, sollten Wanderer auch immer den Mut haben, eine Tour abzubrechen oder umzudrehen, wenn sie an ihre eigenen Grenzen stoßen. "Dies war immer meine persönliche Maxime, nach der ich gehandelt habe und auch in Zukunft handeln werde", bekennt Holzer offen. "Vor allem bei plötzlich auftretenden Schwierigkeiten wie einer Wegunterbrechung sollten keine Risiken eingegangen oder der markierte Pfad verlassen werden." Herrscht schlechte Sicht, ist es besser, abzuwarten, anstatt orientierungslos durch unbekanntes Gelände zu wandern. Bei Gewitter ist es wichtig, ruhig zu bleiben, die Nähe von alleinstehenden Bäumen und metallischen Gegenständen zu meiden. Gipfellagen sollten zügig verlassen werden.
Bergretter-Tipp 5: Erste Hilfe im Fall der Fälle. In Notsituationen gilt es zunächst einmal, Ruhe zu bewahren und einen Notruf über die bekannte Nummer 112 abzusetzen. "Hier sind die Wegemarkierungen des Schwarzwaldvereins besonders hilfreich, da die Rettungsleitstelle über die Namen oder Nummern den Standort der Verunglückten leicht bestimmen kann", erklärt der Bergwacht-Vorsitzende. Bei einem Funkloch ist es sinnvoll, durch lautes Rufen auf die eigene Situation aufmerksam zu machen. Bis die Rettung vor Ort ist, sollte der oder die Verletze nicht alleine gelassen werden und beispielsweise mit Verbandsmitteln erstversorgt werden. "Auch Zuspruch und beruhigende Worte können dem oder der Betroffenen zunächst helfen", so Holzer.

Weitere Informationen : ZweiTälerLand Tourismus Tel. +49 (0) 7685 19433 oder unter www.zweitaelerland.de. News, Bilder und Videos auf Facebook und auf Instagram.