Geschichte

Eine Ära geht zu Ende: Wo und wann in Waldkirch einst Bier gebraut wurde

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Sa, 27. November 2021 um 10:00 Uhr

Waldkirch

Die Waldkircher Traditionsbrauerei Hirschenbauerei stellt den Betrieb ein. Damit wird, außer vielleicht im Do-it-yourself-Set zu Hause, in der Stadt kein Bier mehr hergestellt. Zeit für einen Rückblick.

Anfang der Woche bestätigte Braumeister und Inhaber Harald Neff auf BZ-Anfrage: "Nach 153 Jahren Brautradition musste die Hirschenbrauerei in Waldkirch den Braubetrieb einstellen." Nur der Getränkehandel wird aufrechterhalten, womit alle Arbeitsplätze gesichert werden können. Dazu werde die Hirschenbrauerei in Zukunft Biere der Hirschbrauerei Honer aus Wurmlingen vertreiben. Grund ist ein Umsatzeinbruch.

Damit braut in der Stadt niemand mehr Bier. Zeit, auf die Geschichte der Brauereien zurückzublicken. Einen Aufschwung erlebte das Brauereiwesen in Waldkirch – wie auch in vielen anderen Orten der Region – im 19. Jahrhundert. Laut Heimathistoriker Siegfried Burger gab es in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts 13 Gasthäuser, die ihr Bier in der Kernstadt Waldkirchs brauten.

Vom Wirt zum Revolutionär

Eins davon war der "Pfauen", wo Wirt Karl Eglau ab 1837 Bier herstellte. Dass Gasthäuser damals auch Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses und der Politik waren, erklärt zudem, dass Eglau 1848/49 auch Revolutionsteilnehmer war. 1854 ließ er die Eglau-Brauerei nahe der heutigen Theodor-Heuss-Straße bauen, seine Wohnvilla steht noch bis heute. 1892 wurde diese Brauerei von Krumm & Reiner übernommen. Sie verlor mit dem Ersten Weltkrieg ihren Hauptabsatzmarkt im Elsass und ging 1914 in Insolvenz.

1875/76 erbauten die Brüder Ernst und Fritz Jörger die Elztalbrauerei als ersten größeren Braubetrieb in Waldkirch. Sie stand oberhalb der Straße Im Amtsfeld am Hang und braute bis 1918/20 Bier.

Aus der "Sonne" wurde das "Sonnenhof-Areal"

Eine Brauerei gab es auch im Gasthaus "Sonne" von Emil Kirner an der Lange Straße, wovon der Name "Sonnenhof-Areal" heute übrig blieb; eine weitere Brauerei war die Brauerei Weidmann am später abgebrannten "Schwarzwälder Hof", Engelstraße. Stefan Landerer gründete 1836 die Brauerei Landerer, die 1902 von August Mutschler übernommen und ausgebaut wurde. Das markante Sudhaus für die Waldkircher Burgbräu stand noch bis Anfang des 21. Jahrhunderts und machte dann Terrassenwohnhäusern Platz.

Eine Brauerei hatte auch das Gasthaus "Hirschen" ab 1868. Dies war die erste "Hirschenbrauerei", gebaut von Michael Klausmann. Dessen Nachfahren errichteten 1904/1907 die "Hirschenbrauerei" am Stadtrain und betrieben sie bis in die fünfte Generation. Bereits vor dem Bau des Brauereigebäudes hatten Klausmanns im Berg daneben mehrere Felsenkeller anlegen lassen, um das Bier kühl lagern zu können. Von diesen Felsenkellern gab es im 19. Jahrhundert viele in der Stadt. Teils sieht man ihre Öffnungen am Stadtrain und unterhalb der Kastelburg bis heute. Im Zweiten Weltkrieg dienten sie teilweise als Luftschutzkeller.

Der Stadtrainsee war früher ein Eisweiher zum Kühlen

Zur Gewinnung von Eis zur Kühlung legten Klausmanns außerdem auf der grünen Wiese Eisweiher an – ein Teil davon bildete den Vorläufer des späteren Stadtrainsees. Im Winter wurden die Eisweiher auch zum Schlittschuhlaufen benutzt.
Von Ale bis Zapfen: Eine kleine Bierkunde

1837 kaufte Josef Oswald, der seine Brauerei hinter dem Gasthaus "Rebstock" betrieb, ein Gelände nahe der Schwarzenbergstraße, um einen Felsenkeller für sein Bier anzulegen. Später richtete er dort eine einfache Sommerwirtschaft ein, in welcher das Bier direkt aus dem Keller auf die Tische kam. 1867 wanderte Oswald nach Amerika aus. Alois Hamm, Bierbrauer aus der Kirchstraße, übernahm und baute die "Hammsche Bierhalle". Sohn und Schwiegertochter errichteten Anfang des 20. Jahrhunderts das "Gasthaus zum Felsenkeller".

Riegel war mal die zweitgrößte Brauerei Badens

So wie in Waldkirch ging es in anderen Orten auch. Zwischen 1789 und 1920 gab es in Emmendingen sieben Brauereien. Die Riegeler Brauerei produzierte von 1834 bis 2003 und war damals die zweitgrößte Brauerei Badens. Heute ist die Brauereigesellschaft Meyer & Söhne Teil der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei, die wiederum der Brau Holding International gehört. Die Marke "Riegeler Bier" blieb aber erhalten. Die einzige Brauerei, die heute noch im Landkreis Emmendingen Bier braut, ist die Löwenbrauerei Elzach von Johannes Dold.
Lesetipp

Siegfried Burger: Die Waldkircher Felsenkeller. Beiträge zu neueren Waldkircher Stadtgeschichte, Band 11. Hrsg. vom Heimat- und Verkehrsverein Waldkirch, 2008.