Von der Randlage ins Zentrum

Bettina Schaller und Dieter Fink

Von Bettina Schaller & Dieter Fink

Mi, 26. August 2020

Reitsport

Bei der "Ichenheim Dressage", die statt des nationalen Reitturniers ausgetragen wurde, bekommt der Dressursport ein besonderes Forum, das er auch nutzt.

. Ein Erfolg war das am Wochenende erstmals angebotene Dressurturnier unter dem Namen "Ichenheim Dressage" . Nachdem das große Pferdesportturnier "Ichenheim Classics" wegen der Pandemie abgesagt werden musste, tauchten diese Dressurtage des RV Ichenheim ersatzweise im Veranstaltungskalender auf. Teilnehmer, Zuschauer und Offizielle waren voll des Lobes über die rundum gelungene Veranstaltung, bei der aufgrund der Auflagen einiges anders war als sonst.

Während beim nationalen Turnier "Ichenheim Classics" die Autos und Pferdetransporter stets sehr dicht rund um die Waldreitanlage stehen, war dieses Mal genügend Platz vorhanden. Dies war aber von den Veranstaltern so gewollt: Es sollte nur ein kleineres Turnier, ausschließlich für Dressurreiter, werden, um die strengen Auflagen für Sportveranstaltungen im Freien mit nur 500 Personen pro Tag einhalten zu können. Und das hat auch geklappt. An den drei Turniertagen wurden nur jeweils drei Wettbewerbe auf der Waldreitanlage ausgetragen.

Auflagen taten der guten Stimmung keinen Abbruch

Sowohl die Teilnehmer wie auch die Zuschauer – von denen deutlich weniger als sonst kamen, da bewusst darauf verzichtet worden war, das Turnier groß zu bewerben – erhielten Armbänder mit verschieden Farben für die drei Tage, so dass die Personenzahl kontrolliert werden konnte. Die Hygieneauflagen, die von allen Beteiligten gewissenhaft eingehalten wurden, taten der guten Stimmung keinen Abbruch. Auch der Verzicht auf ein Rahmen- und Unterhaltungsprogramm fiel nicht ins Gewicht, denn die Reiter waren überglücklich, weil sie nach vielen turnierlosen Wochenenden wieder starten durften.

Dressurreiter aus dem ganzen Bundesland waren am Start. Viele von ihnen waren zu den Ichenheimer Dressurtagen gekommen, um Punkte für die baden-württembergische Amateurmeisterschaft zu sammeln. In Neuried fanden ebenso wie in Mannheim Qualifikationsprüfungen in den Klassen M und S statt. Aileen Kemmerer hat dort mit Destino gute Karten. In Ichenheim gewann das Erfolgspaar vom RFPZV Wiesental vor Melanie Katz vom PS-Team Bubenhofertal auf Betty Barkley die S-Qualifikationsprüfung am Sonntag. Katz ritt auf Platz drei. Christine Eberbach, die auf Dywah für den RV Sindelfingen an den Start ging, nahm den zweiten Podestplatz in Anspruch.

250 Pferde waren am Start und damit rund 100 Dressurreiter mehr als bei den "Ichenheim Classics", wie Gerhard Reichenbach vom Vorstandsteam des RV Ichenheim sagte. "Die Dressurreiter haben schon lange kein Turnier mehr gehabt und wollten wieder den Vergleich. Gerade in der Klasse S hat es kaum Turnierangebote gegeben." Zudem seien Dressurtage hinsichtlich der Hygienevorschriften einfacher durchzuführen als ein Springturnier. "Wir wollten einfach den Dressursport unterstützen", so Reichenbach.

Für die Dressurreiter bot sich eine wunderbare Kulisse, denn das Dressurviereck wurde auf den Turnierplatz der Waldreitanlage verlegt, wo sonst die Springreiter im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Damit hatten die Dressurreiter mehr Platz und konnten auch den Abreiteplatz für sich alleine nutzen. "Wir haben den Boden extra für die Dressurreiter präpariert", sagte Reichenbach und freute sich über die positive und große Resonanz der Dressurreiter zur Waldreitanlage. Ob er damit neue Interessenten für das Dressurviereck gewonnen hat? Reichenbach lacht und sagt: "Wenn alles wieder seine Normalität hat, dann stehen wir mit unseren Dressurprüfungen wieder in Konkurrenz mit anderen Turnieren." Reichenbach schwang sich auch selbst in den Sattel und stellte sich mit seinem 17-jährigen Wallach Albführens Santorin in den M-Dressurprüfungen den scharfen Augen der Richter.

Iris Keller, Präsidentin des Pferdesportverbandes Südbaden, sieht durch die corona-bedingte Turnierpause auch eine Chance für den Dressursport. "Ich habe sehr viele vielversprechende Dressurnachwuchspferde gesehen." Die passionierte Dressurreiterin und Richterin erkennt darin die intensive Heimarbeit der Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden. "Das haben sie genutzt, sie bringen nun Pferde auf den Platz, die noch wenig Turniererfahrung haben", so Keller.

Trotz des großen Erfolgs der Ichenheimer Dressurtage will das Vorstandstrio am Konzept der "Ichenheim Classics" festhalten. "Wir hoffen, dass 2021 wieder Normalität im Turniersport eintritt", sagte Reichenbach.