VON HERZEN: Händchenhalten im Sandkasten

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 13. Juni 2020

Kolumnen (Sonstige)

Liebe kennt kein Alter, wohl wahr. Und manchmal kommt sie schon früh, lang vor der Pubertät. Aber was ist das, wenn zwei im Sandkasten Händchen halten und Turteln wie die Großen? "Mit romantischer Liebe, wie wir Erwachsene sie kennen, hat das nichts zu tun", sagt Günter Koenemund, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Lörrach. "Wir gucken da was rein, was es in dieser Entwicklungsphase noch nicht gibt." Was es aber gibt – unbedingt geben sollte –, ist die Erfahrung, die jeder kleine Mensch mit seinen ersten Bezugspersonen, in der Regel Mutter und Vater, gemacht hat: die von großer Innigkeit und unbedingtem Geliebtwerden, von Geborgenheit, Herzlichkeit, Wärme und Nähe. Psychologen nennen das Bindung, ohne die eine geglückte Biografie eigentlich nicht möglich ist. "Dieses Gefühl", sagt Koenemund, "kann sich im Vorschulalter auch auf Spielkameraden übertragen."

Später, wenn das Kind entdeckt, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, kommt eine sexuelle Note dazu. Dann sind Jungs vielleicht in ihre Lehrerin verliebt oder in das hübsche Mädchen auf der Nachbarbank. Und was heißt das für die Eltern? Sie sollten sich keinesfalls über diese Gefühle erheben oder gar lustig machen, sondern dem Kind vermitteln, dass das alles gut und in Ordnung ist.