VON HERZEN: Vom Schnarcher im Nachbarbett

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 29. August 2020

Panorama

Gibt es etwas Intimeres als Schlafen? Damit ist explizit nicht der Beischlaf gemeint, es geht um die vielen Stunden, in denen sich unser Bewusstsein abschaltet und wir wehrlos daliegen. Und eventuell auch mal komisch grunzen oder rumschnoddern. Verliebte finden das dann alles voll süß beim Anderen und schlafen so engumschlungen, dass man gar nicht weiß, wer wo anfängt und aufhört. Psychotherapeutin Christel Strasser nennt das die Symbiose-Phase einer Beziehung. "Störfaktoren wie unterschiedliche Schlafgewohnheiten oder unterschiedlich beginnende Arbeitszeiten spielen dabei noch keine Rolle." In der nächsten Phase, die der Individuation, könne es dagegen sehr sinnvoll sein, dass jeder sein eigenes Reich habe – vorausgesetzt natürlich, es gibt genügend Zimmer. "Wenn das Paar sich einig ist, dann kann man es so einrichten, wie es für beide angenehm ist." Partner von Schnarchern, Knirschern und Schmatzern lesen sowas sicher gern. Und das ist dann kein schlechtes Zeichen für die Beziehung, wenn beide Partner morgens lieber alleine aufwachen? Schließlich verringern sich dadurch womöglich die Gelegenheiten zum noch kurz Kuscheln oder auch für spontanen Sex. Christel Strasser: "Das muss keineswegs so sein, denn wer kuscheln oder Sex haben will, dem steht der Weg ins Bett des anderen in einer aufgeschlossenen Beziehung offen."