Bildungspolitik

Von Seiten des Ministeriums wurden keinerlei Hausaufgaben gemacht

Jutta Ruf

Von Jutta Ruf (Freiburg)

Sa, 09. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Eisenmann will Schulen öffnen", Agenturbeitrag (Politik, 29. Dezember)

Es ist nicht zu fassen, dass eine Kultusministerin sich so lange und vehement gegen Kompromisse wehrt. Ist das Wahlkampf und Stimmenfang bei jungen Eltern, die Probleme mit der Betreuung ihrer Kinder sehen? Was verspricht sich Frau Eisenmann (CDU) von der Strategie?

Mancher Querdenker wird sich über die Meinung von Frau Eisenmann freuen. Auf der Gegenseite stehen Schulleitungen, Lehrerinnen, Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler, bei denen ein immenser Druck aufgebaut wird. Seit dem letzten Lockdown sind von Seiten des Ministeriums keinerlei Hausaufgaben gemacht worden. Es wäre Zeit genug gewesen, um auf Lehrkräfte, Schulleitungen, GEW und andere Lehrerverbände zu hören, vielleicht auch gemeinsam zu überlegen, wie gehen wir das gemeinsam an.

Präsenzunterricht ist wichtig, kein Zweifel, aber nicht um jeden Preis. Ich (pensionierte Lehrerin seit August) weiß, wovon ich rede. Wir hatten im letzten Lockdown mit geteilten Klassen und Homeschooling keine schlechten Erfahrungen gemacht: Mit weniger Schülerinnen und Schülern war das Lernen viel effektiver, das Homeschooling hat nach Anlaufschwierigkeiten funktioniert, das war ein guter Weg – hätte nicht unsere Ministerin das Benoten untersagt. Was soll ich da als Lehrerin oder Lehrer noch machen? Die Motivation der Schüler: weg. Der ganze Einsatz umsonst.

Ein weiteres Problem sind die kurzfristigen Entscheidungen. Wie sollen die Schulleitungen und Lehrerkräfte dafür sorgen, dass ein reibungsloser Ablauf geplant werden kann? Wenn ich Schulleiterin wäre, käme ich auf die Idee, mich mal über alles hinwegzusetzen und für meine Schule ein Konzept mit dem Kollegium zu erarbeiten und umzusetzen. Ausprobieren, überprüfen, vielleicht Änderungen vornehmen. Wenn man auf die Politik wartet, ist man auf verlorenem Posten.

Ein Allheilmittel gibt es sicherlich nicht, aber es ist höchste Zeit, sich für jeden Schultyp ein geeignetes Konzept zu erstellen. Nicht nur in Form von Präsenzunterricht, der wichtig ist, sondern auch in digitaler Form, wobei wir noch sehr im Hintertreffen sind.Jutta Ruf, Freiburg