Filmemacher

Waldkircher zeigte AfD-Abgeordneten Thomas Seitz an – und wurde bedroht

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Mi, 20. Februar 2019 um 19:36 Uhr

Waldkirch

Jürgen Dettling hat Strafanzeige gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten erstattet und das öffentlich gemacht. Danach wurde er im Netz bedroht. Jetzt hat Dettling sich dazu geäußert.

Der Waldkircher Filmemacher Jürgen Dettling hat Strafanzeige gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Seitz erstattet und das öffentlich gemacht. Danach wurde er im Netz bedroht. Am Mittwoch hat Dettling sich in Waldkirch bei einer Pressekonferenz mit dem Offenburger Bündnis Aufstehen gegen Rassismus dazu geäußert.

"Herr Seitz nutzt für seine größtenteils hetzerische, verleumderische und antidemokratische Propaganda, durchsetzt mit Unwahrheiten und Falschbehauptungen, sehr intensiv das Internet", heißt es in der Strafanzeige, die Dettling Anfang des Monats an die Offenburger Staatsanwaltschaft schickt. Er fügt Screenshots aus sozialen Netzwerken und Videoaufnahmen an, spricht von Volksverhetzung. Am gleichen Tag informiert er Seitz in einem Offenen Brief darüber.

"Und auf einmal sehe ich einen Screenshot von einem rechtsradikalen Karatemann, der in Riesenlettern meine Homepage, meinen Namen und meine Adresse zeigt." Jürgen Dettling
Dettling erntet Zuspruch, aber auch Häme. "Solche Typen müssen wir einfach aushalten. Nicht mehr lange und die verschwinden alle in das große dunkle Loch der Bedeutungslosigkeit", schreibt ein Facebook-Nutzer. "Und auf einmal", erzählt Dettling in Waldkirch, "sehe ich einen Screenshot von einem rechtsradikalen Karatemann, der in Riesenlettern meine Homepage, meinen Namen und meine Adresse zeigt. Die sagen nicht: Wir kriegen dich – diese Zeiten sind vorbei." Er habe mit der Polizei geredet, erzählt er, aber keine Anzeige erstattet. "Die sagten mir: Das hält nicht stand." Nach der Pressekonferenz fühle er sich jedenfalls sicherer: "Ich glaube, je lauter man trommelt, desto schwerer haben sie es."

Seitz reagiert per Pressemitteilung

Thomas Seitz reagiert. Am Mittwochmittag verschickt sein Büro eine Presseerklärung. "Die baldige Einstellung des Ermittlungsverfahrens wird zeigen, dass es sich bei Herrn Dettling um einen ideologisch verblendeten Mitbürger handelt, der Zivilcourage mit Wichtigtuerei verwechselt", heißt es darin. Weder er noch einer seiner Mitarbeiter hätten Dettling bedroht, beleidigt oder Dritte angestiftet. Die Adresse von dessen Filmproduktionsfirma sei im Netz frei zugänglich – und das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus laut Verfassungsschutz linksextrem.

Die Offenburger Staatsanwaltschaft hat laut Sprecherin Miriam Kümmerle die Anzeige erhalten und routinemäßig ein Prüfverfahren eingeleitet.