Chefärztin kündigt am Klinikum

Gerald Edinger

Von Gerald Edinger

Do, 15. August 2019

Waldshut-Tiengen

Sun Ju Kim arbeitet jetzt in Freiburg / Viele Personalwechsel / Niedergelassene Ärzte kritisieren Klinikleitung und die Politik.

WALDSHUT-TIENGEN/LAUCHRINGEN. Nach 15 Jahren hat Chefärztin Sun Ju Kim beim Klinikum Hochrhein gekündigt. Sie hatte zuletzt die Leitung der Inneren Medizinischen Klinik inne. Wie Sun Ju Kim bei ihrer Verabschiedung vor niedergelassenen Ärzten der Region in Lauchringen bestätigte, hat sie ihren Vertrag bereits zum 1. Juli gekündigt und ist seit 1. Juni nicht mehr am Klinikum. Sie arbeitet inzwischen an der Uniklinik Freiburg als Kardiologin. Die Umstände, wie es zur Kündigung der Ärztin kam, stößt den niedergelassenen Ärzten der Region sauer auf.

Kritik der niedergelassenen Ärzte
Carsten Kurth, Kardiologe im Facharztzentrum Aarberg in Waldshut, und Allgemeinmediziner Markus Bohl kritisieren die Art, wie mit der Chefärztin im Vorfeld ihres Weggangs seitens der Klinikverwaltung umgegangen wurde. "Professor Ruth Strasser wurde ihr praktisch vor die Nase gesetzt, das ist kein Mitarbeiter-Management", kritisieren Kurth und Bohl. Die Kündigung von Sun Ju Kim habe man offenbar "billigend in Kauf genommen". Seit August 2017 ist Hans-Peter Schlaudt Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein. Kurth und Bohl heben ausdrücklich die anerkannte fachliche Kompetenz von Professor Ruth Strasser hervor, glauben aber, dass sie mit dem Aufbau des Herzkatherlabors "vollauf beschäftigt" sein wird. Auch mit Wolf-Dieter Nagel einen Wirbelsäulenspezialisten zu holen, sei verfrüht. Solche Spezialisierungen würden momentan keinen Sinn machen. "Es tut richtig weh, was momentan am Spital passiert", sagt Kurth. Die niedergelassenen Ärzte treibe die Sorge um die Basisversorgung der Patienten um.

Brief an den Aufsichtsrat
In einem Brief der Kardiologen am Hochrhein an den Aufsichtsrat wurde diese Entwicklung mit Sorge betrachtet. Sie fürchten um die Versorgung der Patienten. Ein weiteres Indiz hierfür sei der Umstand, dass auch Stephan Dette, Chefarzt der Medizinischen Klinik 2, gekündigt habe. Kurth teilte mit, dass ferner die Oberärztin der Notaufnahme gehen werde. Das könne zur Folge haben, dass die Basisversorgung im Bereich der internistischen Medizin Schaden nehme. "Das Krankenhaus Waldshut als Haus der Grund- und Regelversorgung muss als primäre und wichtigste Aufgabe die internistische Basisversorgung des Landkreises gewährleisten", heißt es im Brief an den Aufsichtsrat (liegt der Redaktion vor). Dies sei nach der Schließung des Krankenhauses in Bad Säckingen umso wichtiger, heißt es weiter. Die Mediziner bitten auch im Namen der Patienten um Informationen, wie das Konzept des Klinikums für die Zukunft aussehen soll.

Die Verabschiedung
Die Öffentlichkeit wurde bisher nicht von der Klinikleitung über den Weggang der Ärztin informiert. Die niedergelassenen Ärzte der Region luden die ehemalige Chefärztin nach Lauchringen ein, um ihre Verdienste zu würdigen und sie zu verabschieden. Bürgermeister Thomas Schäuble sprach von einem traurigen Anlass: "Es schmerzt, Sie zu verlieren, weil sie als Chefärztin ein prägendes Gesicht des Spitals Waldshut waren." Und er betonte, wie sehr sie als Ärztin und Mensch von den Patienten geschätzt wurde.

Personal braucht Wertschätzung
Sun Ju Kim selbst hielt sich mit Erklärungen zu ihrem Abschied höflich zurück, fühlt sich weiterhin zur Loyalität verpflichtet. Sie sprach von "zeitintensiven Projekten" bei ihrer Arbeit am Krankenhaus und vom großen Vertrauen, von dem die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten geprägt war. Zu ihrer Tätigkeit im Spital stellte sie fest: "Es ist eine große Herausforderung, Personal und Ärzte zu bekommen. Das Personal am Krankenhaus braucht aber nicht mehr Geld – sondern mehr Wertschätzung seiner Arbeit."

Kritik an der Personalpolitik
Carsten Kurth kann die Personalpolitik im Waldshuter Krankenhaus nicht verstehen. "Es ist traurig, dass sich die Kollegen im Spital nicht vor dich gestellt haben." Der Mediziner, der selbst acht Jahre als Oberarzt am Spital tätig war, erwähnte auch das Betriebswirtschaftsstudium von Sun Ju Kim: "Wenn sie Kritik geäußert hat, wusste sie also, wovon sie sprach, das ist der Verwaltung aufgestoßen."

Deren Engagement sieht Kurth auch von den politischen Entscheidern nicht wertgeschätzt. "Es ist auch beschämend, dass es im Krankenhaus immer noch Menschen gibt, die Doktor Kim für die aktuelle Situation des Spitals verantwortlich machen."