Eine Premiere und noch mehr Piraten

Wolfgang Scheu

Von Wolfgang Scheu

Di, 03. Dezember 2019

Lenzkirch

Warum die Lenzkircher Stadtmusik verrät, wie die Fische klingen / Mit dem Jahreskonzert klingt das Jubiläumsjahr aus.

LENZKIRCH. Der musikalische Ausflug ans Wasser bis in die Tiefen der Ozeane beim Jahreskonzert wurde zum Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Stadtmusik Lenzkirch.

Das Programm
Es war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Die meisten kennen es nur sinfonisch, doch die Version von "Alla Hornpipe" aus Händels Wassermusik für Blasmusik überzeugte voll und ganz. "Jakob (Scherzinger), verrat’ uns, wie die Fische klingen" – Der Dirigent kam der Aufforderung gerne nach, nacheinander ließ er die Motive von Neonfisch, Zitteraal, Seepferdchen, Schmetterlingsfisch bis zum fröhlichen Guppy (Piccolo Altsax erklingen, bevor sie zusammen im "Aquarium" von Johann De Meij erklangen. Ein konzertantes Erlebnis war es, der Dirigent holte alles heraus aus dem grandiosen Klangkörper der Lenzkircher Musiker – der Applaus ließ die Halle beben. Wilde Piraten um Maracaibo, ein Rundgang durch Stockholm mit verschiedenen Stimmungen führte die Musiker in die Tiefen der Meere. "Beyond the Sea" erklang, Gastsänger Tobias Burgert als Lenzkircher Robbie Williams nahm die Besucher mit. Die Stadtmusik wurde zur Big Band, es groovte und swingte beim bekannten Jazz-Standard "Watermelon Man" von Herbie Hancock, die Solisten aus den Registern spielten mitreißend, da durfte der Trompeter Alex Karcher auch mal dicke Backen machen. Diejenigen im Publikum, denen die konzertanten Teile doch zu hoch waren ("das muss man halt verstehen" meinte ein älterer Besucher) wurden am Ende entschädigt. Als Zugabe Nummer eins erklang mit "Gruß an Kiel" ein flotter Marsch und in Erinnerung ans große Musikfest "175 Jahre Stadtmusik" spielten sie "Ein Leben lang" von den Fäaschtbänklern, die im Festzelt ihren großen Auftritt hatten. Zum letzten Mal trugen Jakob Scherzinger und die Musiker die Jubiläumsschärpe, die sie ein Jahr bei ihren Auftritten begleitet hatte.
Die Jugend
Sehr gut bestellt ist es um den musikalischen Nachwuchs in Lenzkirch und den Ortsteilen. Zehn Mädels und drei Buben spielten beim "Schildkrötenrennen" des Vororchesters, gleich 23 junge Musikanten der Jugendkapelle zeigten grosses Können bei ihrem Auftritt, Lampenfieber kennen sie nicht, ausnahmslos selbstbewusstes Lächeln und energisches Kopfschütteln gab es auf die Frage, ob sie denn nervös seien.

Die Premiere
Zum ersten Mal war ein Kontrabass in den Reihen der Lenzkircher Stadtmusik, gekonnt gespielt und mit Boden von Clemens Wingenbach. Fische, Piraten und mehr wurden an den Seiten der Bühne während des Konzerts projiziert, diese Special Effects wurden von Andreas Giesinger gekonnt vorbereitet. Da er ja auf der Bühne aktiv war, half im Hintergrund Matthias Waldvogel. Und um das Seelenheil von Hartwig Frank hatte sich Co-Moderatorin Birgit Winterhalder umsonst Sorgen gemacht, als er allzu lieblich von der Kommunikation mit allerlei Fischen sprach. Vielleicht hat er nur zu viel Zeit beim Malen des prächtigen Bühnenbildes verbracht, das dem Konzert den passenden Rahmen verlieh.