Interview

Heilklimatischer Kurort: Was bedeutet der neue Hinweis auf Ortsschildern?

Tanja Bury

Von Tanja Bury

So, 19. Januar 2020 um 14:28 Uhr

Titisee-Neustadt

Vier Hochschwarzwald-Gemeinden dürfen ihre Ortsschilder um ein Prädikat erweitern: Titisee-Neustadt, Hinterzarten, Schluchsee und Lenzkirch dürfen sich als heilklimatische Kurorte anpreisen.

Künftig wird auf den ersten Blick erkennbar sein, welche Titel Titisee-Neustadt, Hinterzarten, Schluchsee und Lenzkirch tragen: Die heilklimatischen Kurorte können nach einem Erlass des baden-württembergischen Innenministeriums diese Prädikate auf ihren Ortsschildern führen – als eine Art Visitenkarte. Angestoßen hat diese Initiative der Heilbäderverband Baden-Württemberg. Tanja Bury hat sich mit dessen Präsidenten Fritz Link unterhalten.

BZ: Wieso ist es sinnvoll, diese Prädikate auf die Ortstafeln zu schreiben?
Link: Das Land hat ein Gutachten zur Fortentwicklung des Heilbäder- und Kurortewesens in Baden-Württemberg in Auftrag gegeben – und das hat uns eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben. Eine davon zielt auf eine deutlichere Herausstellung des kurörtlichen Prädikates und des staatlichen Anerkennungsverfahrens ab. Das Gutachten fordert in diesem Zusammenhang die Heilbäder und Kurorte, den Heilbäderverband und das Land auf, das Prädikat umfassender und präsenter an Gäste und Einheimische zu kommunizieren. Ganz konkret wurde in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, die Ortstafeln künftig um das Prädikat zu ergänzen.
Fritz Link (56) ist in der dritten Amtsperiode Bürgermeister von Königsfeld im Schwarzwald. Seit 1999 gehört er dem Vorstand des Heilbäderverbandes von Baden-Württemberg an. 2015 wurde er zu dessen Präsident gewählt. Zudem ist Link Vizepräsident des Deutschen Heilbäderverbands.

BZ: Achten die Menschen so sehr auf diese Prädikate?
Link: Ja, tun sie. Hintergrund für die Handlungsempfehlung war die aus Kundensicht zentrale Bedeutung des Prädikates sowie dessen staatliche Überprüfung und Anerkennung für die Auswahl eines Kurortes. Im Rahmen des Gutachtens gab es eine Kundenbefragung, die verdeutlicht hat, dass 60 Prozent der Befragten die staatliche Überprüfung des Prädikates für wichtig oder sehr wichtig halten. Für 70 Prozent ist die staatliche Überprüfung und Überwachung sogar entscheidend bei der Auswahl eines Ortes zur Kur. So ist die präsente Platzierung der Prädikate auf den Ortstafeln ein erster Schritt, um mehr Aufmerksamkeit auf dieses entscheidende Alleinstellungsmerkmal zu lenken. Das ist nicht nur hinsichtlich der Kommunikation mit den die Gästen wichtig – auch müssen die Prädikate vielerorts bei der einheimischen Bevölkerung aktiver ins Gedächtnis gerufen werden. So konnten Betriebe, die für das Gutachten befragt wurden, teilweise nicht genau sagen, über welche Prädikate ihr Ort verfügt.
BZ: Wie ist es im Fall Titisee-Neustadt: Steht das Prädikat da nur auf dem Ortsschild Titisee?
Link: Die Verleihung ist abhängig von der geographischen Verortung des prädikatisierten Bereichs. Geregelt ist die staatliche Anerkennung des Prädikats nach dem Kurortegesetz. Im Fall Titisee-Neustadt trägt der Ortsteil Titisee das Prädikat "Heilklimatischer Kurort" und darf dieses auf dem Ortsschild führen.
BZ: Sind die neuen Schilder schon bestellt und wer trägt die Kosten für den Austausch ?
Link: Wir haben allen Kommunen die Beteiligung an einer Sammelbestellung ermöglicht – so gibt es Vergünstigungen. Titisee-Neustadt beispielsweise hat sich der Sammelbestellung angeschlossen. Die Schilder befinden sich aktuell in der Fertigung. Die anfallenden Kosten für die Schilder sowie für ihren Tausch tragen die Städte und Gemeinden.
BZ: Welche Rolle spielen Kurorte und Heilbäder denn für den Tourismus und als Wirtschaftsfaktor in Baden-Württemberg?
Link: 3,3 Millionen Ankünfte und über 12,6 Millionen Übernachtungen – so lauten 2018 die zentralen Kennzahlen der baden-württembergischen Heilbäder und Kurorte. Etwa ein Viertel aller Übernachtungen in Baden-Württemberg im Jahr 2018 entfielen auf die Heilbäder und Kurorte und etwa 15 Prozent aller touristischen Ankünfte. Sie stellen somit ein zentrales Standbein des Tourismus im Ländle dar und fungieren als enormer Wirtschaftsfaktor. Dieser beläuft laut des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München zufolge in Baden-Württemberg auf jährlich 3,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz.
Die Verleihung


Titisee-Neustadt, Hinterzarten, Schluchsee und Lenzkirch gehören zu insgesamt 38 Kurorten im Land, die ihre Prädikate künftig auf den Ortstafeln führen dürfen. Vergangene Woche fand die Verleihung im Innenministerium in Stuttgart statt. Die Bürgermeister Meike Folkerts (Titisee-Neustadt), Andreas Graf (Lenzkirch) und Jürgen Kaiser nahmen teil . Der Tausch der Ortstafeln darf ab 1. Februar erfolgen.