Demonstration

"Wir tun niemandem damit weh"

Valentin Heneka

Von Valentin Heneka

Mo, 13. Mai 2019

Freiburg

WIE WAR’S BEIM... Global Marijuana March, bei dem am Samstag Hunderte in der Innenstadt für die Legalisierung von Cannabis demonstrierten.

FREIBURG. Unter dem Motto "Keine Pflanze ist illegal" demonstrierten am Samstag Hunderte auf dem Platz der Alten Synagoge und in der Innenstadt für die Legalisierung von Cannabis, der bekannte Jugendrichter Andreas Müller hielt eine Rede. Wie war der "Global Marijuana March"?

Die Demonstrierenden
Für die Legalisierung von Cannabis demonstrieren überwiegend junge Menschen, der Schnitt liegt geschätzt etwas unter 30. Der 19-jährige Rafael aus der Ortenau ist mit zwei Freunden zum ersten Mal dabei. "Wir kiffen gerne mal und tun damit niemandem weh. Deswegen sollte es nicht verboten sein." Auch Familien mit Kindern und Menschen im Rentenalter laufen mit. Gängigen Kiffer-Klischees entsprechen nicht alle, dennoch sieht man mehr T-Shirts mit Hanfblättern und Dreadlocks als an anderen Tagen. Süßliche Gras-Schwaden wabern durch die Gassen. Über die Zahl der Demonstrierenden gehen die Meinungen auseinander. Während Tobias Pietsch, Co-Organisator der Demo und Betreiber der "Hanfnah"-Läden in Freiburg, Lahr und Lörrach, von 700 bis 800 ausgeht, spricht die Polizei von 400 Teilnehmenden. Die Polizei ist nur mit wenigen Kräften im Einsatz.

Die Redebeiträge
Die erste Rede am Platz der Alten Synagoge hält Norm Schäfer, einer der bundesweit ersten Cannabis-Patienten. Er berichtet von seiner langwierigen Suche nach einem Arzt sowie Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und Behörden. Schäfer leidet laut eigenen Angaben unter Epilepsie und hatte dank Cannabis seit drei Jahren keinen Anfall mehr. Danach ist der Stargast dran: Andreas Müller, Jugendrichter am Amtsgericht Bernau bei Berlin und medial omnipräsenter Befürworter der Cannabis-Legalisierung. "Wir kämpfen heute für eine gerechtere Gesellschaft, in der Menschen, die eine andere Droge als Alkohol konsumieren wollen, endlich gleichgestellt werden." Müller bezeichnet das Verbot von Cannabis als verfassungswidrig und berichtet von Richtern, Staatsanwälten, Polizisten, die keine Lust mehr hätten, Cannabis-Konsumenten zu verfolgen. Da die Akzeptanz für die Legalisierung in der Gesellschaft stetig steige, sei es nur noch als eine Frage der Zeit, bis das Verbot kippe. "Ich als deutscher Richter möchte kiffen dürfen und das hat mir kein Staat zu untersagen", beendet Müller seine Rede. Später feuert er tanzend die Menge an.

Die Musik
Klar: Reggae und Dub dürfen auf keiner Cannabis-Demo fehlen. Auf dem ersten Wagen pumpen gewaltige Lautsprechertürme jede Menge Bass in die Altstadtgassen. Die Schaulustigen am Straßenrand reagieren unterschiedlich: Manche tanzen mit und reihen sich ein, andere suchen das Weite. In der Mitte des Zuges fährt ein weiterer Wagen, auf dem DJs Techno und Psytrance auflegen, den Abschluss bildet ein Gespann mit Reggae. Am Platz der Alten Synagoge endet der Auftritt der Freiburger Hip-Hop-Crew Endlessstory jäh, als ein heftiger Regen- und Hagelschauer Rapper und Publikum unter die schützenden Vordächer des Kollegiengebäudes I der Uni Freiburg treibt.

Das Datum
Der Global Marijuana March in Freiburg fand eine Woche später als in rund 30 anderen deutschen Städten statt – einmal wegen des SC-Heimspiels, zum anderen wegen des Megasamstags vergangene Woche. "Wir wollen etwas Positives bewegen und nicht nerven", sagt Pietsch.

Der Einzelhandel
Wirklich glücklich scheint man in den Ladengeschäften dennoch nicht zu sein. Ingrid Rose von Schreibwaren Rose unweit des Platz der Alten Synagoge wundert sich, dass derart laute Musik in den engen Innenstadtstraßen erlaubt wird: "Wegen der Bässe haben im Geschäft alle Scheiben gewackelt, es war viel zu laut." Bei der lauten Musik, so eine Mitarbeiterin der Parfümerie Kern am Bertoldsbrunnen, die nicht genannt werden will, wäre eine Beratung gar nicht möglich gewesen.

Fazit
Der Global Marijuana March gehört definitiv zu den entspanntesten Demos, die jährlich in Freiburg stattfinden. Hier demonstrieren nicht nur Menschen, die nur in Ruhe kiffen wollen, sondern auch solche, die sich für eine einfachere Abgabe von medizinischem Cannabis einsetzen. Beides ein legitimes Anliegen – auch mit Blick auf Länder wie Kanada, USA oder Uruguay, die Cannabis entkriminalisiert haben und nun von Steuern auf Cannabisprodukte sowie gesunkenen Ausgaben für Strafverfolgung profitieren.