Was ist die Ursache solch radikaler Ansagen?

Otfried Büsing

Von Otfried Büsing (Freiburg)

Sa, 18. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Bauernopfer Musik?", Beitrag von Alexander Dick (Kultur, 11. Juli)
Musikbegeisterte Menschen, die in Gruppen musizieren, könnten nach dem Lockdown und rigorosen Verordnungen beginnen aufzuatmen, wären da nicht radikale Ansagen von Politikern und Politikerinnen, die Pauschalverbote aussprechen. Baden-Württemberg, Kultusministerium, für den Schulbetrieb: "Singen und das Spielen von Blasinstrumenten ist grundsätzlich ausgeschlossen".

Neue Studien äußern sich dagegen moderater. Was aber ist die Ursache, dass manche politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger radikale Ansagen machen? Ist es vielleicht die Angst, Corona-Ausbrüche mitverantworten zu müssen? Oder ist es die Lust an Machtausübung?

Da kommt man auf hierarchisierende Unterscheidungsmerkmale wie Elementarfach und Kernfach, wie sie im Schulbereich angewendet werden, oder, noch schlimmer, allgemein gesellschaftlich bezogen auf das Kriterium der Systemrelevanz. Frank Otfried July, Landesbischof der württembergischen Landeskirche, hätte gern den Begriff "Systemrelevanz" durch "Existenzrelevanz" ersetzt, im Rahmen einer Gesellschaft als organisches Ganzes, der auch "Bildung, Kultur, Theater, Musik, Sport, öffentliche Räume des Streits, des Dialogs, des Gedenkens, und auch des Feierns, die Begegnungen zwischen Menschen ermöglichen", angehören. In Anbetracht der furchtbaren Gemengelage ist den Entscheidungsträgern/-innen ein gutes Augenmaß zu wünschen, bezüglich der Musik auch ein Ohrenmaß. Otfried Büsing, Freiburg