"Was noch da ist, ist gut"

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 25. September 2021

Bad Krozingen

Die Weinlese rund um die Lagen in Staufen und Bad Krozingen hat begonnen.

. Zwei bis drei Wochen später als in den letzen Jahren beginnt die Lese in den Weinbergen rund um Staufen und Bad Krozingen. In den Vorjahren waren die meisten Winzer um diese Zeit bereits mit der Ernte fertig. Frost im Frühjahr, ein nasser und und kühler Sommer führten zu Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent. Trotzdem stimmt das sonnige Wetter und die kühlen Nächte derzeit die Winzer optimistisch. Sie erwarten zwar eine geringe Erntemenge, aber mit guter Qualität.

Gute Stimmung herrscht bei der "internationalen" Erntetruppe des Staufener Weinguts Wiesler, die an diesem sonnigen Freitagmorgen in den Steillagen am Wetterkreuz oberhalb von Staufen Spätburgundertrauben als Sektgrundwein erntet. Neben der bewährten Staufener Rentnergang sind in diesem Jahr eine Schwedin, Ostfriesen und Franken dabei, erzählt Winzer Michael Wiesler lachend.

Während er mit der Reporterin die steile Rebzeile hinaufsteigt, zeigt er Augen an den Seitentrieben der Reben, die wegen des Frosts nicht ausgetrieben haben, Schäden an den Weintrauben wegen der Pilzkrankheit Peronospera und Weintrauben, die von Wildschweinen angefressen wurden. "Hier in dieser Lage haben wir sogar nur etwa ein Drittel des üblichen Ertrags, über die Gesamtfläche sind es etwa 50 Prozent, die fehlen", bilanziert er.

Am Tag zuvor hat Wieslers Truppe zum ersten Mal geerntet. Wenn das Wetter mitmacht, wird die Lese entspannt über etwa drei Wochen laufen, hofft Wiesler. Falls die Traubengesundheit wegen Regenwetter gefährdet sein sollte, könne man die Lese auch über die kommenden zehn Tage abwickeln.

Wieslers Staufener Winzerkollegen Peter Landmann und Gabriel Köpfer starten erst in der kommenden Woche mit der Lese in den Staufener und Grunerner Lagen. "In Staufen sind wir immer ein bisschen später dran als etwa am Batzenberg und Tuniberg", sagt Peter Landmann, "die Trauben haben noch eine schön dicke Schale, die sonnigen Tage und kühlen Nächte derzeit sind perfekt". Der Bio-Winzer beklagt zwar etwa 30 Prozent Peronospera-Schaden, weil der Falsche Mehltau, wie die Pilzerkrankung heißt, im ökologischen Anbau die am schwierigsten zu bekämpfende Pilzkrankheit ist. Dennoch ist er insgesamt zufrieden, auch in diesem eher ungewöhnlichen Weinjahr. "Was noch da ist, ist gut", sagt er.

Erwartet wird ein frischer und fruchtiger Jahrgang

Auch Gabriel Köpfer vom Weingut Köpfer aus Grunern ist mit der Qualität des Leseguts zufrieden, die Trauben seien bei relativ guter Gesundheit. "Die Trauben haben eine schöne Säure und eine relativ lange Reifephase. Aber die Erträge sind sehr niedrig, im Gewann Grunerner Altenberg haben wir beim Gutedel 80 Prozent Ertragsausfall wegen Frostschäden", sagt er. Das liege daran, dass die Gutedel-Reben dort besonders früh austreiben und deshalb durch den Frost Anfang April stark geschädigt wurden. Kommende Woche will Köpfer in die Haupternte einsteigen, mit Grauburgunder der Terrassenlage am Staufener Schlossberg.

Alfred Möhr und seine Erntehelfer und Erntehelferinnen vom Weingut Möhr in Bad Krozingen-Biengen haben am Dienstag dieser Woche mit der Lese begonnen. Geerntet wurden bereits Müller-Thurgau- und Spätburgunder-Trauben. "Mengenmäßig haben wir bedeutend weniger als in den Vorjahren", sagt er, "der Frost und der Pilzdruck haben das Lesegut dezimiert. Wenn jetzt noch die Kirschessigfliege die Trauben anstechen würde, wäre das fatal." Möhr hat bereits Kirschessigfliegen gesichtet und holt deshalb die Spätburgundertrauben etwas früher als sonst. Die Lese wird er zügig abwickeln, so ist sein Plan, damit nicht noch weitere Schäden an den Trauben entstehen können. Das Mostgewicht der Trauben sei in Ordnung. "Wir haben mehr Oechsle als Kilo Ertrag pro Hektar, normalerweise ist das andersrum", fasst er die Lage im Herbst 2021 zusammen.

Weinbauberater Hansjörg Stücklin, der die Winzerbetriebe im gesamten Markgräflerland berät, spricht von einer höchst unterschiedlichen Situation je nach Standort und Lage der Winzerbetriebe und der Rebflächen.

Frühere Lagen wie im Bereich des Batzenbergs, in Schlatt, Biengen, Heitersheim und Buggingen waren besonders von den Frostfolgen betroffen, spätere Lagen weniger. "Wie jedes Jahr ist der Herbst anders. In bestimmten Lagen kam es zu beträchtlichen Ertragseinbußen wegen des Falschen Mehltaus. Wer den zum richtigen Zeitpunkt bekämpft habe, sei gut davon gekommen, andere weniger gut. Dennoch ist Experte Stücklin optimistisch: "Wir jammern noch nicht. Wenn das Wetter hält, gibt es 2021 einen fruchtigen frischen Wein."