Wehrer Betrieb wird erweitert

Firma Rota Verpackungstechnik macht Wachstumssprung

Julia Becker

Von Julia Becker

Fr, 15. Februar 2019 um 17:11 Uhr

Wehr

Die Firma Rota Verpackungstechnik in Wehr expandiert und will den Umsatz von 18 auf 40 Millionen Euro steigern.

Die Firma Rota Verpackungstechnik befindet sich weiter auf Erfolgskurs: Mit einer deutlichen Betriebserweiterung will das Wehrer Familienunternehmen auch in Zukunft für große Aufträge gerüstet sein. Geschäftsführer Joachim Delhey rechnet mit einer langfristigen Umsatzsteigerung von derzeit 18 Millionen auf bis zu 40 Millionen Euro in den kommenden Jahren. "Durch das Umsatzwachstum besonders in den drei letzten Jahren und die immer größer werdenden Anlagen ist die aktuelle Produktionshalle in allen Bereichen zu klein geworden", erklärt Joachim Delhey.

Das Unternehmen stellt sehr erfolgreich Maschinen und Anlagen für die Verpackung flüssiger Medikamente für Kunden in der ganzen Welt her. "Wir entwickeln jedes Jahr im Durchschnitt zwei neue Maschinen", sagt Ingenieur Delhey. Als Erfolgsrezept sieht er die große Bandbreite an Anlagen, die individuell für den Kunden angepasst werden können. So produziert man hier kleine Maschinen, die nur 1500 Einheiten pro Stunde abfüllen, bis hin zu großen Anlagen mit einem Durchlauf von 24 000 Objekten pro Stunde. "Wir haben eine hohe Fertigungstiefe und machen viel selbst. Dadurch sind wir als relativ kleines Unternehmen sehr flexibel und können ein gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten." Ein weiterer wichtiger Faktor seien die gut ausgebildeten Mitarbeiter. "Wir bilden aktuell fünf neue Mitarbeiter aus und stellen jährlich weitere Mitarbeiter ein", berichtet Delhey. Vom Fachkräftemangel sei man weniger betroffen als andere Branchen, aber auch hier mache sich, besonders im Bereich Informatik, die Nähe zur Schweiz bemerkbar.

Firma schafft es, Fachkräfte zu binden

"Auf Grund der sehr komplexen Aufgaben setzen wir auf langfristige Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen. Tatsächlich arbeiten manche Mitarbeiter bereits in zweiter Generation bei uns", so Delhey. Um zukunftsfähig und attraktiv für Fachkräfte zu bleiben, investiert das Unternehmen darum auch in die interne Weiterentwicklung. Ein großes Problem bleibt die Anbindung an schnelle Glasfasernetze: "Wir sind in einem Notstandsgebiet hinsichtlich Digitalisierung. Cloudtechnologien sind genau sowenig möglich wie Remotezugriffe für die Wartung beim Kunden", bedauert Delhey.

Moderne Technik kommt auch bei den produzierten Anlagen zum Einsatz, auch wenn man in der Pharmabranche hier eher konservativ voranschreite: "Die Gefriertrocknung von flüssigen Medikamenten, um die Haltbarkeit zu erhöhen, ist ein sehr interessantes Feld", so Delhey.

Bewusste Entscheidung für Wehr als Standort

Und auch hier werden die Vernetzung von Maschinen und die Automatisierung von Produktionsprozessen immer mehr nachgefragt. Da die Anlagen auf lange Laufzeiten von über 20 Jahren ausgelegt sind, bietet das Unternehmen auch Schulungen und Wartungen an. Mit dem Standort Wehr verbindet Delhey als gebürtigen Wehrer nicht nur sein Unternehmen: Als sein Vater Ulrich Delhey 1995 zusammen mit Jürgen Rebhan und Robert Machwirth in einem Management-Buy-Out die Rota Verpackungstechnik gründete, entschied man sich bewusst für den Standort im Wehratal.

"Die Nähe zu den großen Pharmaunternehmen spielte natürlich eine Rolle. Viele unserer Fachkräfte kommen aus der Region, dazu kommen die schöne Gegend und die Anbindung an zwei große Flughäfen", so Ulrich Delhey, der sich zugunsten seiner Söhne 2007 aus dem Unternehmen zurückgezogen hat und ehrenamtlich für die Hanna-und-Paul-Gräb-Stiftung und die Lothar-Späth-Förderpreis-Stiftung sehr aktiv ist.

Neue Produktionshalle als Schwerpunkt

Schwerpunkt der Erweiterung ist die neue Produktionshalle. Mit einer Außenhöhe von elf Metern, drei Meter höher als die bisherige Dachhöhe, wird hier Platz für eine Krananlage sein, welche die Arbeit besonders an großen Anlagen erleichtern wird. "Wir wollen mehr Platz für unsere derzeit 111 Mitarbeiter schaffen", sagt Joachim Delhey. Darum werden nicht nur die Montage, sondern alle Unternehmensbereiche bis hin zur Caféteria erweitert. Genutzt wird hierfür mit rund 1000 Quadratmetern gut die Hälfte der im Norden angrenzenden Wiese. Allein die Fertigung wird so 30 Prozent mehr Fläche gewinnen, freut sich Delhey.

Als man 1997 auf das neue Gelände im Gewerbegebiet Hemmet umzog, wurde langfristig geplant und ein großes Grundstück im Norden für Erweiterungen vorgehalten. Nach elf Jahren musste 2008 bereits vergrößert werden, weitere elf Jahre später wird der Platz jetzt erneut knapp. Mit dem markanten neuen Gebäude will man auch einen Akzent nach außen setzen.

Der Bauantrag wird derzeit im Landratsamt geprüft. Der Spatenstich ist für April geplant, bereits im Dezember soll die Halle bezugsfähig sein. Bis Ende März 2020 soll der Umbau in den bestehenden Räumen abgeschlossen sein. Insgesamt investiert das Unternehmen 2,3 Millionen Euro in alle Baumaßnahmen.