Aberwitzige Gaunerkomödie mit kluger Botschaft

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 08. April 2019

Weil am Rhein

Die Komödie "Einmal New York" feierte am Samstag Premiere im Theater am Mühlenrain und kam beim Publikum sehr gut an.

WEIL AM RHEIN. Einmal am Broadway auftreten, die Freiheitsstatue sehen, in die Stadt reisen, die niemals schläft: Das ist der sehnlichste Wunsch von Johannes Junker, der nur allzu gern aus der Seniorenresidenz "Seelenfrieden" ausbüxen würde. Welche Pläne der fidele Rentner ausheckt, um den Trip in die USA möglich zu machen, führen Hauptdarsteller Klaus-Peter Klein und sein glänzend aufgelegtes Tam-Team in der neuen Komödie "Einmal New York" vor, die in alemannischer Mundartversion am Samstag viel bejubelte Premiere im Weiler Theater am Mühlenrain feierte.

Das Publikum kommt aus dem Lachen kaum heraus in diesem turbulent inszenierten Stück von Vinzenz Steiner, das bei allen Pointen und aller Situationskomik das Thema Altwerden und Träume durchaus warmherzig und lebensklug aufgreift. In dem vor Spiellaune und Dialogwitz nur so sprühenden Ensemble läuft Hauptdarsteller Klaus-Peter Klein zu ganz großer schauspielerischer Form auf.

Mit verschmitztem Humor und köstlich spielt Klein den Ex-Komiker Johannes Junker, der im Lehnsessel hockt und zum Musicalsong "Ich war noch niemals in New York" seinen Broadway-Träumen nachhängt. Wunderbar bringt Klein die Schlitzohrigkeit und den Abenteuergeist hervor, den sich dieser dickköpfige Senior bewahrt hat, und sorgt damit für allerhand Turbulenzen und Verwicklungen.

Mit großem Hallo betritt Manfred Scheewe als gutmütiger, jedoch etwas vergesslicher Zimmernachbar Robbi die Bühne, um seinem Freund zum Geburtstag zu gratulieren. Doch er hat die Geschenktasche vertauscht, denn in der Tüte befinden sich Frauenklamotten, Perücken und eine halbe Million Euro. Ab diesem Moment wird das Stück unter Regie von Emine Akman zum veritablen Krimi, zur aberwitzigen Gaunerkomödie, denn die beiden Kumpel wollen mit der Beute, die offenbar aus einem Banküberfall stammt, ihren New York-Trip finanzieren. Um heimlich das Haus zu verlassen, greifen sie zu den tollsten Tricks.

Da weht ein Hauch von Charleys Tante durchs Tam, wenn sich Klein und Scheewe in Frauenkleider werfen und in hinreißenden Travestie-Nummern als Tante Eva und ihre Freundin ausgeben. Das treibt die Lachquote steil nach oben, wie sich Klein mit blonder Perücke, Pumps und Kleid aus den verfänglichsten Situationen herauswindet und vorgaukelt, er übe für eine neue Show-Rolle. Auch Scheewe, der sich "halb Mary, halb Gordy" fühlt, stöckelt als vorgebliche Tante Eva von einer lustigen Verwechslungsszene zur nächsten.

Ebenso für Pointen und Lacher am laufenden Band ist Sabine Iles als resolute, sächselnde Chefin der Seniorenresidenz gut. Im Feldwebelton und mit dem Standardspruch "Das hatten wir im Osten nicht" gibt sie als Frau Geisberger die Losung vor: "Nur das Beste für unsere Insassen!". Die Zuschauer amüsieren sich köstlich, wenn Iles im weißen Kittel wie eine strenge Oberschwester das Chaos im Haus zu bändigen versucht.

Erfrischend locker, natürlich und schlagfertig agiert Caroline Bendel als Enkelin Lara, die dem "besten Opa, den man sich nur wünschen kann" an Humor nicht nachsteht. Sie muntert nicht nur ihren Opa auf, sondern bringt auch ihrer Chefin bei, wie das im Internet und bei Facebook läuft. Christine Krauth als Junkers Schwester Eva, die mit zwei Trolleys anrückt und ihren Bruder für einen Schwerenöter mit diversen Damenbekanntschaften hält, wird ebenso in das turbulente Tür-auf-Tür-zu-Geschehen hineingezogen.

Komödiantische Verve ins Spiel bringt Harald Nowotny als gestresster, cholerisch aufbrausender Sohn Junker junior, der ständig am Handy hängt und sich über alles aufregt. Geheimniskrämerisch tut Karin Drändle als ominöse französische Ex-Tänzerin Vivienne, die mit Trenchcoat, Hut und Sonnenbrille durch die Residenz geistert: Eine undurchsichtige mondäne Dame, die offensichtlich etwas im Schilde führt. Die beiden gewieften Freunde Johannes und Robbi kommen ihr auf die Schliche und lösen als Hobbydetektive gar noch einen Bankraub auf.

Regisseurin Emine Akman und das Tam-Team halten die Zuschauer bei bester Laune, zumal ihre Inszenierung tolle Gags, Spannung, Situationskomik und (Alp-)Traumsequenzen aufbietet und mit Lokalkolorit und witzigen Anspielungen auf Weil gewürzt ist.

Weitere Vorstellungen des Stücks im Theater am Mühlenrain gibt es zu sehen am 13., 14., 20., 30. April, 18., 19., 24., 25., 29. Mai, 20.15 Uhr, sonntags 19.15 Uhr. Vorverkauf unter Tel. 07621/71334