Abschluss am OGW: "Für die Mutigen ist die Zukunft die Chance"

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Di, 16. Juli 2019

Weil am Rhein

38 Schülerinnen und Schüler verabschieden sich vom Schulalltag und machen sich auf die Suche nach ihrem Platz im Leben / Zahlreiche Sonderpreise vergeben.

WEIL AM RHEIN-MÄRKT (ysie). "Sie sind heute glücklich", meinte die Rektorin des Oberrheingymnasiums (OGW), Silke Wießner, zum vierten Abiturjahrgang in der Märkter Altrheinhalle. Die bestandenen Prüfungen seien ein gemeinsamer Erfolg nicht nur der 38 Prüflinge, sondern auch ihrer Eltern und der Lehrer. "Doch die Verantwortung wächst mit Ihnen", sei es nun im Beruf oder in der Familie oder in der Welt allgemein, wo es gelte, Stellung zu beziehen. Denn Verantwortung mache das Menschsein aus, zitierte sie Antoine de Saint-Exupéry.

"Mögen Sie es, in interessanten Zeiten zu leben?" "Ja!" kam es von den Abiturienten zurück. Auch wenn heute viel von Krisen die Rede sei, solle man doch auch das Potenzial darin sehen, fuhr Wießner fort. Das chinesische Wort für Krise schreibe sich einerseits mit dem Zeichen für Gefahr, während das zweite Zeichen andererseits "Chance" bedeute. "In diesem Sinn: Nutzen Sie Ihre Chancen!"

Auch OB Dietz gratulierte den Abiturienten, aber: "Glauben Sie mir, es liegt noch unglaublich viel vor Ihnen." Er bat den Abschlussjahrgang, nicht nur auf Probleme aufmerksam zu machen, sondern auch zu ihrer Lösung beizutragen und etwas für den Zusammenhalt Europas zu tun. Am OGW hätten sie die Chance gehabt, mit zwei Kulturen ihren Weg zu gehen – einige der Schüler haben neben dem Abitur auch das französische Baccalauréat abgelegt. Aber: "Alles was heute selbstverständlich ist, wie freie Meinungsäußerung und freie Mobilität über Landesgrenzen, muss jeden Tag erarbeitet werden."

Es sei eine Ehre für einen Lehrer, wenn er gebeten werde, nach dem Unterricht noch weiterzureden, so Wolfgang Sternad, der beide Klassen im Laufe der Jahre in Mathe und Physik unterrichtet hat. Er sorgte mit seinen persönlichen Anekdoten wie dem Weihnachtsvideo, einer Fahrt auf dem Hochrhein und der Schulhausübernachtung immer wieder für Gelächter in der vollen Halle.

Deutsch- und Englischlehrerin Anne Lindenberg widmete sich dem Thema Freiheit, denn "das klingt erst mal total vielversprechend". Doch Freiheit wachse durch ihren Gebrauch, zitierte sie Carl Friedrich von Weizsäcker. Auch wenn vieles von den in der Schule gelernten Fakten bald vergessen gehe, hätten die Schüler gelernt, wie man Wahrheit von Lüge unterscheide. Sie müssten nun selbst entscheiden, was richtig und was falsch sei. "Lasst andere nicht die Entscheidung für eure Zukunft treffen, sondern wagt Neues, denn für die Mutigen ist die Zukunft die Chance!"

Französischlehrer Philipp Koch verlas auf Französisch die Worte von Anne-Laurence Boeglin, Jurypräsidentin des Abibac 2019 am Oberrheingymnasium, die nicht dabei sein konnte. Sie zeigte sich beeindruckt, wie gut die Absolventen die Werke der französischen Literatur verstanden und präsentiert hatten. Die Abiturienten würden nun die Gedanken dieser Humanisten in eine oft sehr materialistische Welt weitertragen.

Abiturient Ilham Yilmaz erinnerte in seiner Rede an die frühere Rivalität zwischen der B-Klasse – "das B steht für die Besten" und der A-Klasse – "das A steht für die Allerbesten". Doch im Laufe der Jahre, als man sich besser kennen lernte, wurden solche Streitereien beigelegt. Schließlich rief er dazu auf, die Projektpartnerschaft im Südsudan zu unterstützen.

Scheffelpreisträgerin und Jahrgangsbeste Lisa Baumann konnte sich noch gut erinnern, wie sie vor 2861 Tagen Mühe hatte, sich nicht in der neuen Schule zu verlaufen und als das Abitur unendlich weit weg erschien. Doch die "akademische Green Card" bedeute nun die Qual der Wahl. "Was von der Euphorie bleibt, ist die Frage nach dem Morgen." Auch wenn sie schätzt, dass sie 80 Prozent des erlernten Faktenwissens bald vergessen werde, bleibe zumindest die erlernte Sozialkompetenz und die Kunst zu denken. "Ich habe die Hoffnung, dass wir von unserer Fähigkeit zu reden und unserem Recht zu reden Gebrauch machen, anstatt alles so hinzunehmen, wie es ist."

Nach der Pause, in der sich die Gäste am Buffet stärken konnten, ging es weiter mit der Preisverleihung, der Übergabe der Lehrergeschenke und den musikalischen Beiträgen. Viel Applaus erhielten Kim Ngo, Astrid Magendie, Sarah Moroni und Jeanne Grosheny, die begleitet von Fabian Schäfer an der Gitarre verschiedene Songs von Lady Gaga und anderen sangen. Aufgrund der hohen Temperaturen in der Halle machten die Besucher fleißig Gebrauch von den ausgelegten Fächern.

Preise für besondere

Leistungen

DMV-Abiturpreis Mathematik: Lisa Siebert; Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: Clara Holthuisen; Südwestmetall-Schulpreis Ökonomie: Jule Burger; VFS-Abiturpreis Ökonomie: Lukas Zettel; Scheffelpreis Deutsch: Lisa Baumann; Schnabelpreis Geschichte: Hosna Hamidi, Sandra Bahro; Englisch-Preis des Fördervereins: Mila Reinsch; Französisch-Preis des Fördervereins: Astrid Magendie; Sozialpreis des Fördervereins und Sparkassenpreis für Geisteswissenschaften: Lilith Heim