Dreiländereck

Was Stuttgart von Weil am Rhein lernen kann

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Di, 07. Mai 2019 um 15:55 Uhr

Weil am Rhein

Der Europa-Ausschuss des Landtags lässt sich im Dreiländereck zeigen, wie gut grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktionieren kann.

Für den Vorsitzenden des Europa-Ausschusses des baden-württembergischen Landtags, Willi Stächele, gibt es keinen Zweifel: Wer Europa erleben will, muss rausgehen und es sich vor Ort anschauen. Und Weil am Rhein sei dafür exemplarisch. Was Stächele damit meint, davon konnten sich die Ausschuss-Mitglieder am Montag selbst einen Eindruck verschaffen, als sie zu Besuch waren bei den "Europäern des Alltags".

"Bisher fahren wir nach Weil, um einzukaufen, und die Weiler kommen zu uns, um zu spazieren. Vielleicht geht’s künftig auch umgekehrt." Hüningens Bürgermeister Deichtmann
Diesen Begriff hat Weils OB Wolfgang Dietz geprägt, er könnte aber auch von seinem Hüninger Kollegen Jean-Marc Deichtmann oder dem Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels stammen. Denn alle drei sind überzeugt, dass die Region um das Dreiländereck eine gemeinsame Entwicklungsperspektive und eine gemeinsame Umsetzung braucht. Auf dem Weg dahin ist einiges schon geschehen, man denke an die Tramlinien 8 nach Weil am Rhein und die Linie 3 nach St. Louis.

Aber noch mehr ist geplant, etwa das Projekt Dreiland, mit dem die Städte Hüningen und Weil am Rhein sowie der Stadtkanton Basel ihre an die Grenze anstoßenden Rheinufer zu einem attraktiven Stadtquartier mit hoher Lebensqualität machen wollen. Weil am Rhein hat dazu bereits Hafengelände aufgegeben und nutzt es zur Erweiterung des Rheinparks, in Basel machen Teile des Rheinhafens einem neuen Wohnquartier Platz und in Hüningen entsteht ebenfalls eine Wohnbebauung am Rhein, die der 7000-Einwohner-Gemeinde bis 2025 rund 700 bis 800 neue Einwohner bringt.

"Diese Leute wollen ein attraktives Wohnumfeld vorfinden. Deshalb stimmen wir unsere Planungen ab", sagte am Montag Hüningens Bürgermeister Deichtmann. Der Rheinpark in Friedlingen werde also auch Naherholungsgebiet für die Hüninger. "Bisher fahren wir nach Weil, um einzukaufen, und die Weiler kommen zu uns, um zu spazieren. Vielleicht geht’s künftig auch umgekehrt."

Selbst eine EU-Außengrenze ist kein Hindernis

Was sich in den vergangenen Jahren in der Kooperation zwischen den drei Partnern verändert hat, beschrieb am Montag Weils Erster Bürgermeister Huber: "Früher haben wir Rücken an Rücken geplant, jeder sah nur seine Ecke vom Kuchen. Heute planen wir von Angesicht zu Angesicht und haben auch die Interessen und Bedürfnisse der anderen im Blick." Nicht von ungefähr heißt die gemeinsame Planung für die Gestaltung der Rheinufer in Hüningen und Friedlingen "Vis-à-vis". Eine trinationale Kooperation wie die hier am Dreiländereck sei in Europa "einmalig", versicherte Huber.

Bemerkenswert und für die Ausschussmitglieder zusätzlich interessant ist dabei ein Umstand, auf den die Geschäftsführerin der Internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020, Monica Linder-Guarnaccia, hinwies. Die von den drei Städten auf den Weg gebrachten Projekte überwinden nicht nur Stadt- und Landesgrenzen, sondern auch eine EU-Außengrenze.

In Weil am Rhein führen diese Bemühungen neben der Rheinpark-Erweiterung dazu, dass die Aufnahme des Stadtteils Friedlingen in ein Sanierungsprogramm erreicht wurde, die es möglich macht, auf einer Fläche von 26 Hektar neue Impulse zu setzen und eine neue Kindertagesstätte, ein Jugendzentrum und neue Sportanlagen zu realisieren.

Projekt Dreiland als Visitenkarte der Zusammenarbeit

Ausschuss-Mitglied Josha Frey versicherte seinen Kolleginnen und Kollegen denn auch als örtlicher Landtagsabgeordneter, dass Basel, Weil und Hüningen ganz vorbildlich das gemeinsame Ziel verfolgten, nach Lösungen für ihre Bedürfnisse zu suchen und sich dabei nicht von nationalen Hemmnissen bremsen zu lassen. Was Weil am Rhein dabei im Stadtteil Friedlingen leiste, verdiene ganz besonderes Lob.

Aus Basler Sicht hob auch Hans-Peter Wessels auf die gemeinsamen Interessen ab. In Basel entstünden weiter neue Arbeitsplätze, die Metropolregion bleibe also Zuzugsgebiet. Man begrüße es daher, wenn in Friedlingen oder Hüningen Wohnraum für Pendler entstehe. Denn der ermögliche es den Arbeitnehmern, auch ohne Auto an die Arbeitsplätze zu kommen.

Auf diesen Zuzug müsse man aber auch mit adäquaten Lebensverhältnissen antworten, gab Deichtmann zu bedenken. Deshalb habe man sich grenzüberschreitend auf eine Politik für die Bürger verständigt und sei sehr optimistisch. "Das wird klappen", ist er sich sicher und sieht das Projekt Dreiland als Visitenkarte der trinationalen Zusammenarbeit.