"Zu wenige kennen die Weine vom Tuniberg"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 23. April 2019

Wiehre

BZ-INTERVIEW mit den Winzern Martina Hunn und Edgar Bärmann, die für das Event "Der Tuniberg lokt" den Wiehrebahnhof zur Verkostungs- und Partyzone machen.

FREIBURG-WIEHRE. In den vergangenen Jahren haben die Tuniberger Weingüter ihre Erzeugnisse stets im Hotel Schloss Reinach in Munzingen der Öffentlichkeit präsentiert. Dieses Frühjahr findet das Event nun unter dem Neuen Namen "Der Tuniberg lokt" erstmals im neuen Wiehrebahnhof in Freiburg statt. Neu ist außerdem auch das Konzept. Im Anschluss an die herkömmliche Verkostung folgt noch eine Weinparty mit Livemusik. Holger Schindler hat mit den Winzern Martina Hunn und Edgar Bärmann vom Organisationsteam gesprochen.

BZ: Warum wechseln Sie nach mehreren Jahren mit Ihrem Weinevent jetzt den Veranstaltungsort?
Martina Hunn: Das Hotel Schloss Reinach war eine sehr schöne und passende Umgebung für unsere Verkostung. Aber wir wollen jetzt mal ein neues Format an einem neuen Ort probieren, um auch wieder ein anderes Publikum anzusprechen. Ganz bewusst gehen wir nun ins Stadtgebiet, näher zu den potenziellen Kunden. Wir wollen den Wein vom Tuniberg ja bekannter machen, denn bisher kennen den einfach zu wenige. Vielen ist gar nicht bewusst, was da für eine Qualität und Vielfalt geboten wird.
BZ: Ende März haben erst die Tuniberger Weintage in Opfingen stattgefunden, ebenfalls mit Winzern vom Tuniberg. Wie gehört das zusammen?
Edgar Bärmann: Bei den Weintagen präsentieren sich traditionell die Winzergenossenschaften vom Tuniberg. Wir als Weingüter haben schon seit Jahren unsere eigene Veranstaltung. Es gab vor rund 15 Jahren auch einmal einen gemeinsamen Auftritt im Freiburger Konzerthaus, aber das hat damals nicht die erhoffte Besucherresonanz gefunden.
BZ: Sie können also nicht so gut miteinander?
Hunn: Nein, das ist nicht so. Wir können gut miteinander und es gibt auch kein Spannungsverhältnis. Die Genossenschaften machen gute Weine und wir Weingüter ebenfalls. Wir setzen einfach jeweils unterschiedliche Schwerpunkte. Für uns Weingüter ist die individuelle Handschrift des Winzers sehr wichtig. Die Genossenschaften wiederum können verlässliche Qualität auch in größeren Mengen liefern, dazu wären wir gar nicht in der Lage. Was den Vertrieb betrifft, ist für uns naturgemäß der Direktverkauf und der persönliche Kontakt zu den Kunden besonders wichtig – und darum auch die kommende Verkostung.
BZ: Wie ist der Weinjahrgang 2018 ausgefallen?
Bärmann: Dank des außergewöhnlich warmen und sonnigen Sommers haben wir Trauben von herausragender Qualität bekommen. Allerdings hat die frühe Reife und die Hitze die Winzer auch vor ganz besondere Herausforderungen bei der Vinifizierung im Keller gestellt. Zum einen war die Arbeit sehr anstrengend, weil alles zügig laufen musste, zum anderen verändern die hohen Umgebungstemperaturen auch den Vergärungsprozess. Darüber hinaus waren erhebliche Kühlkapazitäten erforderlich. Da war viel Fingerspitzengefühl gefordert. Alles in allem sind wir aber sehr zufrieden mit den Ergebnissen.
BZ: Was haben Sie am Samstag im Wiehrebahnhof zu bieten – und welche Trends beobachten Sie?
Bärmann: Die Besucher können rund 120 verschiedene Weine von einem Dutzend Tuniberg-Weingüter probieren, frische, sommerliche Weißweine, aber auch Weißweine, die sich rund ums Jahr genießen lassen. Weiß- und Grauburgunder dominieren. Aber auch Spätburgunder und andere Rotweine sind vertreten. Die Kollegen präsentieren auch Chardonnay, Sauvignon Blanc, Muskateller und andere für den Tuniberg eher exotische Rebsorten. Angesagt sind, gerade für den Sommer, prickelnde Secco´s, Sekte und frische fruchtige Cuvées, die man unbedingt mal probieren sollte.

BZ: Was tun Sie und Ihre Kollegen, um Tuniberg-Weine über die Region hinaus bekannter zu machen?
Hunn: Wir Winzer sind regelmäßig auf Messen im ganzen deutschsprachigen Raum präsent. Ich selbst komme eben aus Südkorea zurück, wo ich Weinhändlern unsere Produkte vorgestellt habe. Am wichtigsten aber ist, dass man kontinuierlich hohe Qualität abliefert.

Martina Hunn (48), frühere badische Weinkönigin, betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Kilian Hunn das gleichnamige Familienweingut in Gottenheim.
Edgar Bärmann (58) ist zusammen mit Konrad Isele Inhaber des Weinguts St. Remigius in Merdingen
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