Weitab des Mainstreams

Udo Andris

Von Udo Andris

Mo, 18. März 2019

Rock & Pop

Das Nguyên Lê Streams Quartet im Freiburger Jazzhaus.

Nicht nur die subtile Verarbeitung außereuropäischer Musik, sondern auch eine für Fusion-Verhältnisse eher unkonventionelle Besetzung zeichnen dieses brillante Quartett aus. So sind Vibraphon und Kontrabass nicht gerade typische Instrumente des Crossover-Genres, einer rockjazzenden Band. Doch bei "Streams", der aktuellen Formation des Gitarristen Nguyên Lê, klappt die Integration tadellos, finden Elektronik, elektrifizierte und akustische Klänge zu bereichernder Partnerschaft.

Nguyên Lê, 1959 in Paris als Sohn vietnamesischer Eltern geboren, erweckte bereits vor über zwanzig Jahren als Gitarren-As die Aufmerksamkeit des Publikums, gastierte seither auf vielen wichtigen Festivals. Sich selbst bezeichnet er als "personifizierte Fusion der Kulturen". Und der Wunsch, Tradition und Moderne, die (musikalischen) Kulturen der Kontinente, unterschiedliche Strömungen, zusammenzuführen, schwingt und wirkt dann auch in seinem international besetzten Streams Quartett.

Mit ins Freiburger Jazzhaus brachte Nguyên Lê (E-Gitarre, Elektronik) seinen Landsmann Illya Amar (Vibraphon), den Kanadier Chris Jennings (Kontrabass) und den US-Amerikaner John Hadfield (Drums/Perkussion). Wie der Band-Leader, so erforschen auch dessen Mitstreiter die Sounds und Rhythmen der globalen Kulturen, lassen in ihrem am Jazz orientierten Spiel das Vokabular ethnischer Musiken durchklingen.

Ein bejubeltes Konzert, weitab der Klischees und liebgewonnenen Wendungen herkömmlicher Fusion Music. So mimt Nguyên Lê – bei aller Virtuosität – nicht den Gitarrentechnokraten, sondern entwickelt mit unerwarteten Intervallen extravagante Melodielinien, schenkt seinem Instrument durch diverse Pedale und Elektronik wechselnde, reizvolle Sound-Profile. Oder er nähert sich auch mal durch subtile Tonbeugungen und Glissandi dem Klangzauber einer indischen Sitar. Auch Lês gewandte Kollegen verlieren sich nicht in konventionalisierten Mustern: Im begleitenden und im solistischen Spiel beweisen sie Ideenfluss und dynamisches Raffinement.

Illya Amar besticht am Vibraphon mit fein ziselierten Läufen und aufleuchtenden Akkorden. Am Kontrabass lässt Chris Jennings mit einem wohltuend abgerundeten Ton und mit unorthodoxen Griffen aufhorchen. Und John Hadfield aus Brooklyn bildet ein imposantes Kraftzentrum mit hochkomplexen, auch multistilistischen Rhythmen.

Versteht sich, dass auch die Kompositionen und Arrangements dieses zugleich lässig und konzentriert aufspielenden Ensembles den Mainstream und Gemeinplätze meiden.