Wenn Musik gleich doppelt segensreiche Wirkung entfaltet

Christiane Breuer

Von Christiane Breuer

Mo, 14. Oktober 2019

Weil am Rhein

Der Erlös des Benefizkonzerts des Bundespolizeiorchesters München hilft, die Situation sterbenskranker Menschen im Landkreis Lörrach zu verbessern.

WEIL AM RHEIN-MÄRKT (ghb). 45 Musiker des Bundespolizei-Orchesters aus München spielten am Freitagabend in der Altrheinhalle für einen guten Zweck, diesmal zur Förderung der Palliativ (Todkranken)-Versorgung im Landkreis. Das Polizei-Orchester gastierte zuletzt vor vier Jahren in Weil am Rhein für die Hilfswerke des Lions Clubs.

Die dezent uniformierten Musiker mit der Lyra auf den Schulterklappen ließen das Programm zunächst langsam, fast elegisch angehen mit der Ouvertüre zur Wagner-Oper "Rienzi" und versenkten sich mit Eric Whitacre in "Sleep", um die fast vollständig besetzte Halle mit den "Yiddish Dances" von Adam Gorb mit Anklängen an bekannte Melodien vollends aufzurütteln. "Wir haben", erklärte Moderator und Oboist Christian Lombardi, "diskutiert, ob es angesichts des Terrorangriffs auf die Synagoge in Halle an der Saale, angezeigt sei, dieses Stück voller Temperament und Lebensfreude zu spielen." Die Zuhörer waren einverstanden und bedachten die symphonischen Polizeimusiker mit besonderem Applaus. George Gershwin (Rhapsody in Blue, Porgy and Bess) verbrachte seinen Urlaub in Kuba und brachte den Titel "Cuban Ouverture" mit nach Hause. Den Zuhörern entging nicht, dass sich mit diesen harten karibischen Rumba-Klängen die Melancholie der "Rhapsody in Blue" und des "Amerikaners in Paris" vermischte.

Zum 68. Mal traten die Polizeimusiker in Südbaden auf, und Organisator Helmut Mutter, Pressesprecher der Inspektion Weil am Rhein, wies daraufhin, dass der Erlös der Konzerte stets für karitative Zwecke bestimmt war. In diesem Jahr waren die Partner das Hospiz am Buck und das im Februar 2019 gegründete Palliativ-Netz Lörrach. Während das Hospiz am Buck für Sterbende stationäre Hilfe leistet, ist das Palliativnetz ambulant tätig. Bis jetzt versorgte das Team um Dr. Mario Steffens – "ich bin zur Hälfte Hausarzt, zur Hälfte Sozialarbeiter", sagt er über sich – 200 Patienten. Dies erforderte auch persönliches Engagement für "Sterbende, Menschen ohne Lobby." Nach den Worten von Klauspeter Huck, dem Vorsitzenden des Förderkreises für das Hospiz am Buck, geht es jetzt vor allem darum, die Betten-Kapazität der Palliativ-Versorgung weiter auszubauen.

Das Orchester unter Leitung des holländischen Chefdirigenten Jos Zegers ist international besetzt. "Die Berufsmusiker aus Spanien, Weißrußland, Japan, Südkorea, Ungarn, Polen, Frankreich, Estland und der Ortenau", erklärte Christian Lombardi, "beherrschen alle ihr Instrument. Sie müssen aber auch zu uns passen."

Mit "One Moment in Time" erklang eine der berühmtesten Olympia-Hymnen, geschrieben von Giorgio Moroder für Seoul 1988. Die Vokalversion war für Whitney Houston bestimmt. Am Donnerstagabend sorgte Saxophon-Solist Silvan Kaiser für das nötige olympische Ambiente und den Gänsehaut-Moment.

Mit 007-James Bond-Themen erreichte das Bundespolizei-Orchester den Höhepunkt des Programms. Die weltberühmte Trompeten-Fanfare ließ die Musik- und Kinofans mitsummen oder -singen, vor den Augen des Publikums erschien der Mann mit der Lizenz zum Töten in seinem Silber-Metallic Aston Martin mit ungeahnten Kampfeigenschaften, im Ganzkörper-Einsatz mit den weiblichen Helden von Freund und Feind oder mit dem Motorrad auf der Verfolgungsjagd über die Dächer von Istanbul und den Dirigenten Jos Zegers, der mit gekonntem Ballett am Pult die Stimmen inspirierte. Mit Erinnerungen an legendäre Melodien von Glenn Miller schloss das offizielle Programm.

Nachdem die Musiker wie gewohnt mit zwei Strophen des Badnerliedes Abschied genommen hatten – das Publikum erhob sich zum Applaus – stand der weiße Bundespolizei-Bus bereit zur Abfahrt zum Sonntagskonzert nach Bötzingen und Höchenschwand und zum Ausbildungszentrum Oerlenbach bei Bad Kissingen, wo neue Beamte ihr Gelöbnis ablegen.